Sterne am Birnbaum

Heute haben Nora und ich besprochen, dass wir gemeinsam eine Geschichte schreiben möchten. Nora hat das Thema vorgegeben und ich habe geschrieben. Nora ist ja erst 3,5 Jahre alt, die Fantasie funktioniert, aber mit dem Schreiben müssen wir noch ein wenig warten (glücklicherweise)

Sterne am Birnbaum
„Ich wünsche mir, dass auf dem Birnbaum Sterne wachsen!“, sagt Nora zu Oma. Die beiden machen während einer Regenpause einen Spaziergang durch den Garten und Oma erklärt, was für Bäume und Sträucher sich da finden. Noch ist alles kahl, aber schön bald werden die Forsythien und Magnolien blühen und auch die Obstbäume werden nach und nach voller Blüten sein.
„Ach, das wird schön!“, seufzt Oma und kann es kaum noch erwarten. Auch Nora freut sich auf den Frühling, wenn sie endlich wieder im Garten herumtollen darf und die Sonne sie wärmt.
„Oma, was wird schön? Wenn Sterne auf dem Birnbaum wachsen? Meinst du, das könnte klappen, wenn ich es mir ganz fest wünsche?“, fragt Nora.
„Wenn man sich etwas ganz fest wünscht, dann kann es sein, dass es in Erfüllung geht“, meint Oma. „Aber manchmal funktioniert es auch nicht! Warum wünschst du dir Sterne am Birnbaum?“, will Oma jetzt wissen.
Als sie keine Antwort bekommt, fragt Oma weiter: „Möchtest du diese Sterne auch essen, oder sollen sie einfach nur leuchten wie die Sterne am Himmel?“
„Sie sollen im Garten Licht machen, ich mag es doch nicht so, wenn es dunkel ist. Und ab und zu könnte man mal einen essen. Die schmecken dann sicher lecker!“, sagt Nora und reibt sich ihren kleinen Bauch.
„Warten wir einfach mal ab. Zuerst muss der Baum blühen und die Bienen müssen kommen und die Blüten bestäuben und dann können die Früchte wachsen. Das alles dauert noch bis zum Spätsommer. Vorher dürfen wir uns aber schon auf Kirschen und Frühäpfel freuen“, schwärmt Oma und sie hat auch schon eine Idee, wie demnächst Sterne auf dem Birnbaum wachsen könnten, aber zuerst … ihr wisst schon: zuerst müssen wir geduldig auf die Blüte warten.
Bis zum Spätsommer möchtet ihr nicht warten? Verstehe ich, deshalb verrate ich Omas Gedanken. Also, zuerst wird Oma mit Nora geduldig auf die Blüte warten und die Bienen beobachten und dann wird sie sehen, wie winzig kleine Birnen heranwachsen und wenn sie dann feststellt, dass keine Sterne dabei sind, obwohl sie es sich doch ganz fest gewünscht hat, dann wird sie nachhelfen – aber nur dann. Wie? Sie wird eine Lichterkette in den Baum hängen, eine mit Sternen natürlich, die kann man zwar nicht essen, aber das Problem mit der Dunkelheit wird sie lösen. Genial, oder?

© Nora & Regina Meier zu Verl

Von Meisen und Mäusen

Von Meisen und Mäusen

„Blaumeisen und Kohlmeisen sind auf jeden Fall täglich da, auch mehrere Rotkehlchen kommen immer wieder und die frechen Spatzen sowieso!“, erzählt Oma, die nichts mehr liebt, als vom Esszimmerfenster aus die Besucher auf ihrer Terrasse zu beobachten.
„Und die großen dicken da vorn, was sind das für Vögel?“, will Lio wissen und klopft an die Scheibe. Im Nu sind alle gefiederten Freunde verschwunden.
„Hey, du darfst sie nicht stören beim Fressen, sie haben doch Angst vor uns!“, schimpft Oma.
„Oh, das wollte ich nicht!“, sagt Lio schuldbewusst.
„Die Großen, das sind Drosseln“, erklärt Oma. „Die schaffen es nicht, an die Meisenknödel zu kommen und auch das kleine Futterhäuschen ist für sie schlecht zu erreichen, deshalb streue ich für sie immer ein wenig Futter auf den Schnee. Das darf aber der Opa nicht sehen, dann schimpft er mit mir!“, erzählt Oma und lacht.
„Warum das denn?“, will Lio wissen.
„Weil er sagt, dass ich die Mäuse damit anlocke und wenn sich dann mal eine im Haus verirrt, dann ist das meine Schuld, behauptet Opa.“
Nun muss auch Lio lachen. „Das ist doch Quatsch. Hast du schonmal in Opas Pferdestall geguckt? Da wohnen unzählig viele Mäuse, die fressen alles, was sie kriegen können, die kleinen Schelme!“
„Und die verirren sich natürlich nicht im Haus, die hat Opa erzogen, nicht wahr?“ Oma lacht zwar noch, aber ein bisschen ärgerlich wird sie nun doch.
„Na warte, mein Lieber!“, sagt sie drohend und meint damit nicht den Lio.
„Aber verrate nicht, dass ich dir das erzählt habe!“, bitte Lio.
„Ach was, das wusste ich doch längst“, sagt Oma. „Hast du Lust, eine Runde mit mir spazieren zu gehen?“, fragt sie und da ist Lio sofort dabei. Schnell ziehen die beiden ihre Winterstiefel, die dicken Jacken und Handschuhe an und Omas selbstgestrickte Mützen wärmen die Ohren.
„Was hast du im Sinn, Oma?“, fragt Lio, der seine Oma ganz schön gut kennt. Wenn sie freiwillig rausgeht, ohne im Garten zu arbeiten, was ja jetzt im Winter nicht möglich ist, dann braucht sie die frische Luft als Treibstoff für ihren Kopf. So hat sie ihm das einmal erklärt und oft entstehen dann nach den Spaziergängen Geschichten.
„Na, was werde ich wohl im Sinn haben?“ Oma lacht. „Eine Geschichte!“
Lio strahlt. Er mag Omas Geschichten sehr und meist ist er der Erste, der sie hören oder lesen darf.
„Worum geht’s diesmal?“, fragt er neugierig.
„Rate!“ Oma grinst, kein Anflug mehr von schlechter Laune.
„Geht’s um die Vögel auf der Terrasse?“
„Nein, die habe ich schon so oft für meine Geschichten verwendet!“
„Geht’s um Opa?“
„Nur ein bisschen, auf jeden Fall wird es eine Geschichte werden, die Opa zu denken geben wird – oder die ihn ärgert, je nachdem!“
„Du machst es aber spannend!“ Jetzt möchte Lio doch gern wissen, was Opa ärgern könnte, ob Oma ihn doch verraten würde. Nein, das sah ihr gar nicht ähnlich, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie etwas versprochen hatte. Auf Oma war Verlass, immer.
Eine Weile schweigen beide. Dann sagt Oma: „Die Geschichte der Terrassen- und Stallmäuse! Das ist der Titel, damit du weißt, um was es geht und nun hilf mir beim Denken!“, fordert sie Lio auf und der schnattert auch sofort los.
„Es waren einmal ein paar Terrassenmäuse und viele, viele Stallmäuse…“

© Regina Meier zu Verl

Das kannst du nicht

Das kannst du nicht

Mucksmäuschenstill wurde es, als sich Esther erhob und in die Mitte des Raumes stellte. Sie blickte kurz in die Runde, lächelte und schlug ihr Buch auf und begann zu lesen:
„Ich lese ein Kapitel aus meinen Kindheitserinnerungen.
Es war ein paar Tage nach meinem sechsten Geburtstag. Ich hatte von meinen Eltern ein Fahrrad bekommen, konnte aber noch nicht fahren. Wie auch? Ohne Fahrrad war das eben unmöglich gewesen. Heute fangen die Kinder mit Laufrädern an, oder mit dem Dreirad. Meist können sie dann schon fahren und benötigen auch keine Stützräder mehr, wenn sie ein „richtiges“ Fahrrad bekommen.
Für mich war es schwer, das Fahren zu erlernen, denn ich war von jeher ein ängstliches Kind gewesen. Geschürt durch die Ängste meiner Mutter traute ich mir nichts zu. Aber ich war ehrgeizig, und das in jeder Beziehung, sogar beim Fahrradfahren.“
Esther hielt kurz inne und schaute in die Runde. Sie entdeckte kein bekanntes Gesicht, was nicht ungewöhnlich war, denn sie war heute in einer für sie völlig fremden Stadt. Wenn sie daheim Lesungen hielt, dann kamen oft die gleichen Zuhörer, was angenehm war und doch wieder nicht. Stets zweifelte Esther nämlich, ob sich jemand auf den Schlips getreten fühlte, wenn sie wahre Geschichten erzählte und so vermied sie, zu Hause aus ihren Kindheitserinnerungen vorzulesen. Bei diesem ersten Absatz hätte sich ihre Mutter sicherlich geärgert. Sie hörte ihre Stimme: „Geschürt durch die Ängste meiner Mutter? Was soll das denn heißen? Habe ich nicht alles für dich getan?“
Esther räusperte sich und fuhr fort:
„Mutig stieg ich immer wieder auf, immer und immer wieder, und schaffte es nach einiger Zeit ein paar Meter zu fahren, sprang dann aber wieder vom Rad und blieb mit klopfendem Herzen daneben stehen. Mama gab Anweisungen vom Straßenrand aus. „Kind, fahr vorsichtig! Pass auf, da kommt ein Schlagloch, du musst es umfahren. Sitz doch nicht so verkrampft! Du musst nach vorn schauen!“
Ich weiß, dass Mama es gut meinte. Aber manchmal ist eben weniger mehr. Sie traute es mir nicht zu, dass ich es schaffen würde. Erst viel später habe ich verstanden, warum das so war. Sie selbst hatte als Kind kein Fahrrad gehabt, es waren Kriegszeiten und auch ihre Mutter, meine Großmutter, war eine eher ängstliche Person. Ihre eigenen Wünsche stellte sie stets hintenan und versuchte meinem Großvater alles recht zu machen. Der nutzte das aus, was ich allerdings als Kind nicht so gesehen habe. Ich liebte meinen Opa sehr und er hat ein sehr wichtiges Stück meiner Kindheit wunderschön bereichert und in mir die Liebe zur Literatur, der Musik und zur Natur erweckt. Jedenfalls glaube ich, dass er es war, denn in vielen Dingen finde ich mich wieder und noch heute denke ich sehr viel an ihn. Er traute mir alles zu und sagte niemals den Satz: Das kannst du nicht!“
Im Publikum bekam jemand einen Hustenanfall. Esther unterbrach ihren Vortrag für einen Moment, nahm einen Schluck Wasser und setzte erst wieder an zu erzählen, als sich die Dame wieder gefangen hatte. „Entschuldigen Sie!“, rief die Frau. Doch Esther wehrte ab. „Alles ist gut!“, sagte sie.
„Nein, ist es nicht!“, schluchzte die Frau und alle sahen sich erstaunt nach ihr um. Was war denn nur in sie gefahren? Jemand reichte ihr ein Taschentuch und ein Glas Wasser. Die Anwesenden murmelten leise. Esther war verunsichert. Sollte sie ihren Vortrag fortsetzen, so, als sei nichts gewesen? Innerlich entschied sie sich dagegen, aber sie war nicht sicher, was man nun von ihr erwartete. Eine derartige Situation hatte sie noch nicht erlebt. Allerdings blitzte ein kleiner Hoffnungsschimmer, die Lesung zu retten, in ihr auf, als sie spontan ihre Gitarre zur Hand nahm, sich auf den Barhocker setzte, den man für sie bereitgestellt hatte und ein paar leise Akkorde anschlug. Sofort wurde es wieder still. Esther spielte eine Weise, die sie auch zu Hause spielte, wenn sie sich beruhigen wollte. Das funktionierte eigentlich immer und auch die Zuhörer genossen die butterweiche Melodie und die perlenden Tonfolgen. Während sie spielte, beschloss sie, die Erinnerungsgeschichte vorsichtig wieder aufzunehmen, ließ aber die Stellen aus, die eine erneute Traurigkeit verursachen könnte.
„Ich komme nun zum Ende dieses Kapitels meiner Kindheitserinnerungen, damit wir uns einer anderen Geschichte widmen können. „Das kannst du nicht!“, war ein Satz in meiner Kindheit, den ich oft zu hören bekommen habe. Vielleicht war es gerade dieser Satz, der mich gestärkt hat, denn ich wollte allen beweisen, dass ich eben doch kann, was ich können möchte! Ich fiel hin und stand wieder auf, richtete meine Krone, wie man heute so treffend sagt und wurde zu der Frau, die ich heute bin. Und ja, ich kann sagen, dass ich eine glückliche Kindheit mir kleinen Hindernissen hatte. Doch es waren nur kleine Steine, die da im Weg lagen. Ich habe sie zur Seite gekickt und weitergemacht!“
Esther schlug ihr Buch zu und ihr erster Blick ging in Richtung der Frau, die noch vor ein paar Minuten vom Weinen geschüttelt wurde. Sie saß entspannt auf ihrem Stuhl und lächelte Esther an. Nach der Lesung kam sie zu ihr und bedankte sich für den Abend. „Ich kann das auch! Sie haben mir Mut gemacht!“, sagte sie und drückte Esther die Hand.

© Regina Meier zu Verl

Mira und das Weiß

Mira und das Weiß

„Ich spüre es im rechten dicken Zeh!“, sagt Oma, als Mira bei ihr zu Besuch ist. „Morgen wird es schneien!“
Mira hüpft vom Sofa und tanzt durch das Wohnzimmer. „Juchhu!“, ruft sie und springt wieder aufs Sofa, um Oma einen dicken Kuss zu geben.
„Ach ja!“ Oma seufzt und fasst sich ins Kreuz. „Eigentlich kann ich mich dieses Mal gar nicht auf Schnee freuen. Mein Ischias hat so gar keine Lust auf Spaziergänge im Schnee. Und wie ich mit diesen Schmerzen den Bürgersteig fegen soll, ist mir jetzt schon ein Rätsel.“
Mira lässt sich die Freude aber nicht verderben.
„Ach Oma, das mache ich dann einfach für dich, ist doch kein Problem. Und wenn ich es allein nicht schaffe, dann muss Opa mir eben helfen!“, schlägt sie vor.
„Soso!“, macht Oma nur und blickt zu Opa hinüber. Der sitzt wie fast immer im Winter vor seiner kleinen Staffelei und malt. Er malt den Winter. Und meist tut er dann so, als würde er nicht zuhören, wenn Oma oder MIra etwas sagen.
„Opa, sag du doch auch einmal etwas dazu!“, bittet Mira. Sie weiß aber schon jetzt, was Opa sagen wird, nämlich: Der Schnee bleibt liegen, bis ich ihn gemalt habe!
Und da spricht er es auch schon aus. „Was stört euch an dem wundervollen Weiß, das noch gar nicht da ist? Der Schnee bleibt liegen, bis ich ihn gemalt habe, Punkt!“, sagt er. „Also ich freue mich darauf und wie ihr wisst, ist Vorfreude die allerschönste Freude.“
„Aber Opa, Weiß ist doch eigentlich langweilig, findest du nicht? Ich mag Weiß nur, wenn es Schnee ist!“, meint Mira.
Hm! Darauf wissen die Großeltern nicht gleich etwas zu sagen.
„Du quengelst“, sagt Oma.
„Es gibt nicht nur ein Weiß“, brummt Opa. „Weiß hat viele Farben. Schneeweiß ist eine davon.“
„Hellweiß und Dunkelweiß?“, fragt Mira und kichert. “So wie Hellschwarz und Dunkelschwarz?“
„Das kommt der Sache schon näher.“ Opa brummt noch immer, freundlicher jetzt.
„Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffst, mir zehn Beispiele mit verschiedenen Weißtönen zu zeigen. Schau dich um und suche das Weiß und das vergleichen wir dann mit dem Weiß der Schneeflocken. Morgen, wenn wir Glück haben und es schneien wird.“
Das gefällt Mira, sie sucht im Zimmer nach weißen Dingen und entdeckt zuerst Omas Strickzeug. „Da!“, ruft sie. „Das ist weiß, aber nicht schneeweiß! Es erinnert mich an Vanilleeis und das würde ich jetzt gerne essen. Oder Käsekuchen, der ist auch weiß. Gelbweiß. Und Sahnetorte. Und weiße Schokolade, Schaumküsse, Vanillesoße, Kokosriegel, Puderzucker, oh, hm, Weiß schmeckt lecker und jedes von ihnen sieht anders aus. Toll!“
„Jetzt habe ich Hunger bekommen!“, sagt Opa und wäscht seinen Pinsel aus. „Sollen wir mal eine kleine Kekspause machen?“, fragt er.
„Einverstanden!“, sagt Oma und legt ihr Strickzeug zur Seite. Mira holt die Keksdose aus der Küche und Oma setzt einen Kaffee auf. Als die drei dann gemütlich im Wohnzimmer sitzen, entdeckt Mira die erste Schneeflocke und es werden immer mehr.
„Da haben wir wohl den Schnee herbeigeredet!“, meint Opa und lacht.
Mia lacht auch. „Dann sind wir Schneezauberer! Ist das nicht toll?“

© Regina Meier zu Verl

Wer sucht, der findet

Wer sucht, der findet

Rechtzeitig, bevor der Frost kam, wurde im Stadtpark die kleine Wiese geflutet, auf der, wie in jedem Jahr, eine Eislauffläche für die Kinder entstehen sollte.
Anton und Nele hatten das beobachtet und in ihnen wuchs schon die Freude aufs Eislaufen. Prompt fror es in der nächsten Nacht und dann auch in den darauffolgenden Tagen und Nächten.
„Ich glaube, wir können schon mal unsere Schlittschuhe bereitstellen“, sagte Nele.
„Au ja. Wo sind sie denn?“ Anton schaute sich suchend um, so, als kämen ihm die Schlittschuhe jeden Moment entgegen.
„Auf dem Dachboden, glaube ich. Oder im Keller? Oder in der Garage oder … bei Opa?“, zählte Nele auf.
„Hm, dann mal los! Suchen wir sie!“, schlug Anton vor. Zuerst stiegen sie gemeinsam auf den Dachboden.
„Ui, ist das hier staubig!“, meinte Nele, als sie ein paar Kisten an die Seite geräumt hatten und der Staub in den Sonnenstrahlen, die in die Dachluke schien, tanzte!
„Staubig und kalt.“ Anton rieb sich die Hände. „Lass uns schnell suchen, ist so schweinekalt hier!“
„Schweinekalt?“, fragte Nele.
„Ja, das sagt man doch so!“, erwiderte Anton.
Sie suchten den ganzen Dachboden ab, lugten in alle Ecken, hoben alle Kisten und Koffer an, schauten in alte Schränke und fanden viele wunderbare Schätze. Nur die Schlittschuhe, die waren nicht da.
Weiter ging es im Keller. Nele musste sich überwinden, denn in den Keller ging sie eigentlich gar nicht gern. Gut war aber, dass Anton bei ihr war, dann fürchtete sie sich nicht so sehr und außerdem wollte sie unbedingt die Schlittschuhe finden. Aber wie es so ist mit Dingen, die man unbedingt sucht. Man ist sich so sicher, sie da oder dorthin gelegt zu haben, aber dann stimmte dieses Bild, das man im Kopf hatte, doch nicht. Und genauso erging es den Geschwistern nun. Im Keller nämlich waren die Schlittschuhe ebenfalls nicht.
Also, auf in die Garage – aber da war es lausig kalt, noch kälter als auf dem Dachboden. Also mummelten sich die beiden erstmal dick ein und dann machten sie sich auf die Suche. Die Hände waren schon ganz steif von der Kälte und die Nase gefror, jedenfalls fühlte es sich so an, als Anton ein Gedankenblitz traf. „Die Schlittschuhe sind doch im Keller!“, rief er freudig aus. „Jetzt weiß ich auch genau wo!“
Schnell rannten die Kinder ins Haus, hüpften die Kellertreppe hinunter. Anton öffnete die alte Gefriertruhe, die die Eltern abgeschaltet hatten, weil sie ein zu großer Stronmfresser war.
„Da hinein packen wir die Schlittschuhe. Das passt!“, hatte Mama gesagt, „Gefrierschrank und Eis und Schlittschuhe!“
Und da lagen sie auch, die Schlittschuhe. Aber nicht nur die. Noch weitere Pakete lagen darin, hübsch verpackt in buntes Weihnachtspapier.
Weihnachtspapier? Weihnachten war doch schon vorbei. Hm!
Sollten die Eltern die etwa vergessen haben? Komisch war das auf jeden Fall, so komisch, dass Mama laut lachte, als Anton und Nele ihr davon erzählten.
„Könnt ihr euch nicht an die Hektik am Tag vor Weihnachten erinnern, als Papa unbedingt noch etwas besorgen musste, weil Pakete verschwunden waren? Aber das könnt ihr ja nicht wissen!“ Mama lachte und lachte und am Abend, als Papa auch da war, machten sie nochmal eine kleine Nachweihnachtsbescherung, schön, dass der Baum noch stand!

© Regina Meier zu Verl

Abschied

Abschied

Unten, in dem kleinen Fachwerkhaus, in dem Paul mit seinen Eltern wohnt, lebt auch Frau Mergelheide.
Paul weiß, dass sie so heißt, Frau Mergelheide selbst hat ihren Namen vergessen. Eigentlich vergisst sie alles um sich herum und starrt nur noch aus dem Fenster. Selten lächelt sie, meist schaut sie traurig aus und oft rinnen Tränen aus ihren Augenwinkeln.
Pauls Mama kümmert sich ein wenig um die Nachbarin, die fast hundert Jahre alt ist und keine Verwandten mehr hat. Morgens kommt eine Frau vom Pflegedienst. Sie hilft der alten Dame beim Aufstehen, Waschen und Ankleiden. Dann bereitet sie ihr das Frühstück zu, setzt sie in den Sessel am Fenster und kommt erst am Abend wieder, um sie ins Bett zu bringen. So geht das Tag für Tag.
Dazwischen kümmert sich Mama um sie und auch Paul sieht ab und zu nach ihr. Manchmal liest er ihr Geschichten vor und dann könnte man meinen, dass sie jedes Wort verstehen kann, so interessiert hört sie zu. Sie sagt aber niemals etwas.

Ein paar Tage vor Weihnachten, draußen liegt schon der erste Schnee, sagt Mama:
„Wir werden in diesem Jahr nicht zu den Großeltern fahren, wir können Frau Mergelheide nicht allein lassen. Ich habe so ein komisches Gefühl.“
Paul ist traurig, denn Weihnachten mit Oma und Opa ist einfach toll. Trotzdem weiß er, dass Mama Recht hat.
„Ich möchte heute Weihnachtsplätzchen backen, magst du mir helfen?“
Paul ist Feuer und Flamme, er nascht doch so gern von dem Teig und es macht ungeheuren Spaß, die lustigen Formen nach dem Backen zu verzieren.
„Ich geh schnell runter und bringe Frau Mergelheide ein paar Zimtsterne“, ruft Mama und schon ist sie verschwunden. Es dauert lange, bis sie wieder zurückkommt und ihre Augen sind gerötet. Sie nimmt Paul in den Arm und dann weint sie.
„Was ist denn nur passiert, Mama?“
„Ach Paul, man musste ja damit rechnen, aber jetzt bin ich doch ganz traurig, Frau Mergelheide ist für immer eingeschlafen, ganz friedlich sitzt sie in ihrem Sessel und lächelt. Ich habe den Arzt gerufen, er wird gleich hier sein.“
„Darf ich mit runter kommen?“, fragt Paul und Mama nickt.
„Ja, komm nur.“

Gemeinsam gehen sie in das Zimmer der alten Dame. Paul tritt vorsichtig an sie heran. Er nimmt ihre Hand, die noch ganz warm ist und spricht sie an:
„Jetzt hast du es geschafft, Tante Mergelheide. Du musst mir etwas versprechen. Wenn du da oben im Himmel bist, passt du dann ein bisschen auf mich auf?“
„Das wird sie sicher tun“, sagt Mama.

Paul ist traurig und bei der Beerdigung weint er dicke Tränen. Aber er weiß, dass es seiner alten Freundin jetzt gut geht. Sicher kann sie sich dort oben endlich wieder erinnern an all das, was sie mal erlebt hat und sie wird von ihm, Paul, erzählen. Sie wird zu ihm herunterschauen, besonders morgen, am Heiligabend. Denn dann wird Paul eine dicke Kerze in den Garten stellen, damit sie ihn auch finden kann in der Dunkelheit.

© Regina Meier zu Verl

Foto © Regina Meier zu Verl

Gruß von Vater*

Gruß von Vater

Irgendwo musste noch Vaters Wintermantel sein, da war ich ganz sicher. Nachdem ich einige Schränke auf dem Dachboden durchwühlt hatte, fand ich ihn. Fein säuberlich mit einem Kleidersack geschützt.
„Was meinst du, Papa? Kann ich ihn verschenken?“, fragte ich mit leiser Stimme.
Ich hatte am Vormittag den Friedel gesehen. Er gehörte zum Bild meiner Stadt wie die Apostelkirche und das Rathaus. Sein brauner Anzug, der dringend eine Reinigung nötig gehabt hätte, war zerschlissen. Ein ehemals weißes Oberhemd und eine Krawatte rundeten das Bild ab, irgendwie wirkte er vornehm, nicht wie ein Penner. Seine linke Hand umklammerte eine Aldi-Tüte, in der er wohl sein Hab und Gut aufbewahrte und in der rechten hatte er eine Bierflasche. Seit vielen Jahren sah man ihn so durch die Fußgängerzone wanken.
Er bettelte nicht. Trotzdem steckten ihm die Leute immer mal wieder einen Euro zu.
Es war kalt geworden und es tat mir Leid, dass er da in seinem dünnen Anzug durch die Straßen lief. Ich wollte ihn aber nicht beleidigen, wenn ich ihm den Mantel schenkte und war sehr unsicher, ob es richtig wäre, das zu tun.
„Er wird sich freuen, mach es ruhig“, hörte ich plötzlich die Stimme meines Vaters und ich blickte mich irritiert um. Da war nichts und doch hatte ich es ganz deutlich gehört.
„Okay“, sagte ich. „Wenn du das sagst!“ Ich lächelte über mich selbst und doch war mir ein wenig unheimlich zumute. Schließlich war mein Vater seit vielen Jahren tot.
Am nächsten Tag brachte ich dem Friedel den Mantel. Ich hatte ihn in eine Sporttasche gepackt und einen Stollen dazugelegt. Ich ging auf ihn zu, reichte ihm die Hand und übergab ihm die Tasche.
„Ein lieber Gruß von meinem Vater!“, sagte ich und sah ein Staunen in seinem Gesicht.
„Frohe Weihnachten!“, sagte er, Tränen blitzten in seinen Augen.
„Frohe Weihnachten“, sagte ich. „Frohe Weihnachten!“

© Regina Meier zu Verl

Weihnachten in der Schule *

Weihnachten in der Schule (1964)

Es ist sehr lange her. Damals besuchte ich die dritte Klasse unserer kleinen Schule. Zwei Jahrgänge teilten sich einen Raum, manchmal auch den Lehrer, der von Bank zu Bank ging und unsere stille Arbeit beaufsichtigte.
In der Vorweihnachtszeit bastelten wir und übten für das Weihnachtstheater. In jedem Jahr wurden die Eltern und Großeltern dazu eingeladen und wir hatten alle sehr viel Freude an den Vorbereitungen.
In jenem Jahr hatte ich sogar zwei Rollen zu besetzen. Zum einen war ich die Maria in der Krippenszene und später im Märchenspiel durfte ich das Dornröschen sein. Ich erinnere mich noch gut an mein Kostüm. Ein rosafarbenes Nachthemd trug ich, das über und über mit roten Rosen aus Krepp geschmückt war. Die knallrote Lippenfarbe schmeckte süß und ich hatte sie abgeleckt, bevor das Spiel begann.
Den Kopf zierte eine rote Krone aus Pappe und meine Füße steckten in leuchtend roten Schuhen, die mindestens zwei Nummern zu groß waren. Meine Mutter hatte sie vorn mit Toilettenpapier ausgestopft, damit ich nicht herausschlüpfte. Als anmutig konnte man meinen Gang sicher nicht bezeichnen, denn so richtig traute ich der Angelegenheit nicht und ich bewegte mich bedächtig. Mit Reinhard, der den König Drosselbart spielte, musste ich dann einen Walzer tanzen. Schade, dass es damals noch keine Videos gab. Zu gern würde ich mir das heute noch einmal anschauen.
Ein Junge in unserer Klasse, ein schüchternes Kind, das kaum jemals etwas sagte und mit dem Lernen auch seine Probleme hatte, sollte auch in das Spiel eingebunden werden. Ich sehe seine großen, bangen Augen vor mir, wenn ich an ihn denke.
Er spielte eine Tanne und musste nur einen einzigen Satz sagen. Es fiel ihm schwer, aber tapfer machte er mit und in der Generalprobe klappte auch alles ganz gut. Er musste rufen: „Nimm mich auch mit, Mareili, nimm mich auch mit!“
Mareili war ein Kind, das die Märchenwesen befreien wollte, die durch einen bösen Fluch zu Steinen geworden waren.
Am Tag der Aufführung waren alle sehr aufgeregt. In mir kroch die Angst hoch, kurz bevor ich mit meinem Drosselbart tanzen sollte. Doch es ging alles gut, bis zu dem Moment, als das Rotkäppchen einen Niesanfall bekam und meine Nase ebenfalls deutlich kribbelte. Alle Märchenwesen hatten sich auf der Bühne versammelt und nacheinander sollten wir Mareili von der Bühne folgen. Dann kam, was kommen musste, ich stolperte in meinen zu großen Schuhen und fiel in die Tanne, die kurz wackelte, mich dann aber auffing. Alle anderen hatten die Bühne bereits verlassen. Da waren nur noch Michael, die Tanne und ich.
Im Publikum wurde bereits gekichert. Oh Mann, war das peinlich. Doch Michael rettete die Situation. Er nahm mich an der Hand und rief: „Nimm uns auch mit, Mareili, nimm uns auch mit!“ Dann stolperten wir gemeinsam von der Bühne, die Tanne Michael und ich. Noch heute bewundere ich ihn dafür, dass er seinen Text nicht vergessen hatte und sogar in der Lage war, auf die veränderte Situation zu reagieren.
Den Drosselbart habe ich später noch oft gesehen, Mareili auch. Sie traf ich erst am letzten Sonntag in der Kirche, denn wir sind beide am Ort unserer Kindheit geblieben. Was aus Michael geworden ist, das weiß ich leider nicht. Auf jeden Fall werde ich ihn niemals vergessen.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle geralt/pixabay

Felix und der Schniefgeist

Felix und der Schniefgeist

Oma erzählt: Neuerdings wohnte er im Kinderzimmer von Felix. Durch die Fensterritze war er gekommen und hatte es sich gemütlich gemacht. Draußen war es jetzt schon kühl und vor allem nass. Er mochte das eigentlich, aber noch lieber hatte er Gesellschaft.
Also hatte er sich auf Felix‘ Kopfkissen niedergelassen und abgewartet, bis der Junge ins Bett musste und dann war es passiert. Der Felix hatte sich den Schnupfen eingefangen, der da in seinem Bett auf ihn lauerte.
„Oma, das ist doch Quatsch! Den Schnupfen habe ich mir eingefangen, als mir gestern so kalt war und ich außerdem noch nasse Füße bekommen hatte!“, sagt Felix und schnäuzt sich die Nase.
„Nasse Füße sind wahrlich nicht angenehm.“ Oma nickt.
„Aber hast du dich einmal gefragt, warum deine Füße plötzlich nass waren? Wenn ich mich genau erinnere, bist du nicht in den Bach gefallen und die Pfützen auf dem Weg waren zugefroren!“ Oma wiegt bedenklich ihren Kopf hin und her. „Jede Wette, dass er da schon seine Finger im Spiel hatte, dieser hinterlistige Kerl.“
Felix überlegt. Oma hat recht. Doch woher waren die nassen Füße wirklich gekommen, ob ihm etwa … nein, einen Streich hatte ihm niemand gespielt und Hendrik von nebenan war verreist mit seinen Eltern. Der konnte es also auch nicht gewesen sein.
„Der Schniefgeist ist’s!“, ruft er plötzlich. „Dass ich nicht gleich darauf gekommen bin. Er hat mir den Schnupfen geschickt.“
„Der Schniefgeist? Soso!“ Oma muss schmunzeln. „Den Kerl habe ich noch nie gesehen. Wo mag er stecken?“ Suchend blickt sie sich im Zimmer um.
„Da!“, ruft Felix. „Er hockt da drüben auf der Fensterbank.“
Oma lässt ihre Brille auf die Nase rutschen, gewöhnlich trägt sie diese auf dem Kopf, wie einen Haarreifen. „Ich sehe ihn trotz Brille nicht“, verkündet sie, steht auf und geht näher an die Fensterbank.
„Hatschi!“, tönt es plötzlich nur eine Nasenlänge vor ihr. „Hatschi! Hatschi! Hatschi! Hatschi! Hatschi!“
„Huch!“, entfährt es Oma und sie springt ungelenk einen Schritt zurück. Ulkig sieht das aus. Und dann macht sie: „Hatschi!“
„Jetzt hat er dich auch erwischt!“, sagt Felix und das klingt ziemlich schadenfroh. „Konntest du ihn sehen? Oder hast du ihn an die Seite geniest?“
Oma niest schon wieder, schüttelt aber den Kopf. „Gesehen habe ich ihn nicht! Hatschi!“ Sie macht ein strenges Gesicht. „Und ich finde, wir sollten unseren ungebetenen Gast ganz schnell aus der Wohnung jagen. Wer sich unsichtbar macht und nur Schabernack treiben möchte, der ist hier nicht willkommen. Hatschi!“
„Aber wie willst du den Kerl verjagen, Oma?“
„Krieche du unter die Decke, ich lüfte mal durch, das hilft! Und dann koche ich einen leckeren Tee für uns, mit einem kräftigen Löffel Honig darin und dann kuschle ich mich zu dir, okay? Und damit er nicht zu uns unter die Decke kriecht, dieser Schniefgeist, erschießen wir ihn. Jetzt gleich.“
„Erschießen? Jetzt gleich?“ Entsetzt starrt Felix seine Oma an. Schießen? Das passt so gar nicht zu Oma.
Die geht zum Schrank und zieht eine Pistole heraus. Nein, halt, es ist keine Pistole. Ein Wasserzerstäuber ist es und in den füllt Oma nun mit einem Lächeln Wasser und ein paar Tropfen Pfefferminzöl.
Felix ist begeistert, seine Oma ist einfach genial. Jetzt heißt es nur noch, den ollen Schnupfengeist auch zu treffen – aber das würde schon gelingen!

© Regina Meier zu Verl

Wer macht das Wetter

Wer macht das Wetter?

Der kühle Wind vertrieb den Spätsommer von der Bühne. Er fegte durch den Himmel, trieb die Schönwetterwölkchen und erste gelbe Birkenblätter vor sich her und zerrte an den Baumkronen. Mit lautem „Plopp“ fielen die Kastanien und Eicheln aufs Pflaster. Sollte es das etwa gewesen sein? Gab sich der Sommer so schnell geschlagen?
„Bitte nicht! Wind, du kannst dich zur Ruhe begeben, wir sind noch nicht bereit für deine Kühle! Und du, Sommer, bleib hier!“
Laut hallten die Rufe der Frau durch den Tag und die Häuser gaben ihre Worte im Gesang des Halls zurück. Sie stand mitten auf dem Marktplatz und war mit ihrer Bitte an Wind und Sommer nur schwer zu überhören.
Die Leute blieben stehen und lauschten. Einige nickten zustimmend mit den Köpfen, andere ereiferten sich laut: „Endlich ist es nicht mehr so heiß, die Verrückte soll doch still sein! Wir sind froh, dass der Herbst endlich kommt!“, riefen sie.
Die Frau aber wurde nicht müde, den Sommer zu beschwören zu bleiben.
„Das sind doch alles Worte!“, rief sie den Leuten entgegen. „Heute ist euch die Hitze zu heiß, morgen die Kälte zu kalt. Der Herbst wird euch bald zu ungestüm und unberechenbar und dunkel sein, vom Winter ganz zu schweigen. Da nämlich werdet ihr am Fenster stehen, in den Himmel sehen und euch nach dem Sommer sehnen. Ja, genauso wird das sein, ich sage es euch voraus!“
„Der das Wetter gemacht hat, hat sich etwas dabei gedacht!“, sagte ein Mann. „Wir brauchen nämlich alle Jahreszeiten und wenn wir noch so sehr jammern, so wird sich nichts ändern. Leider, leider haben wir Menschen aber schon eingegriffen in die natürlichen Abläufe und das ist nicht gut!“
„So ein Blödsinn!“, rief ein anderer Mann. „Niemand hat eingegriffen. Wir können gar nicht eingreifen, Sie sagten es doch selbst!“
„Wer hat es denn gemacht, das Wetter?“, fragte eine Frau, die ein kleines Mädchen an der Hand hatte.
„Mama, weißt du das denn nicht?“, fragte die Kleine verwundert.
Die Mutter schüttelte den Kopf und sah ihr Kind mit einem liebevollen Blick an.
„Nicht wirklich, nein, wenn ich ehrlich bin, so weiß ich das nicht so genau. Aber ich rate mal. Es … es ist die gute Wetterfee. Stimmt`s?“
Das Kind lächelte.
„Das könnte sein!“, sagte es. „Aber es könnte auch sein, dass das Wetter von Gott kommt, oder?“
„Ja, das könnte auch sein. Vielleicht waren es beide, Gott und die Wetterfee, denn Gott kann auch nicht alles allein schaffen. Er braucht Hilfe, oder?“
Die Mutter schwieg. Es fiel ihr schwer, diese Frage zu beantworten. Zu viel passierte überall auf der Welt gerade mit der Natur und dem Wetter. Zu viel, was Sorgen bereitete und ängstigte und was weder Gott noch alle Wetterfeen des Universums wieder würden richten können, wenn nicht bald Vernunft und Einsicht in die Köpfe der Menschen zurückkehrten.

© Regina Meier zu Verl