Die bunte Weihnachtsdose

Die bunte Weihnachtsdose

All ihre kleinen Schätze bewahrte Djamila in einer großen bunten Dose auf. Früher waren mal Lebkuchen drin gewesen. Da man Lebkuchen fast ausschließlich in der Weihnachtszeit isst, waren auch weihnachtliche Motive auf dieser Dose zu finden.
Da war auf der einen Seite der bunte Nussknacker, der einem beinahe ein wenig Furcht einjagen konnten mit seinem grimmigen Gesicht. Djamila hatte sich aber vorgestellt, dass er gar nicht böse war, sondern lediglich Zahnschmerzen hatte vom ewigen Nüsse knacken.
Wenn man die Dose ein wenig weiterdrehte, sah man den dicken Weihnachtsmann in seinem roten Mantel, die Daumen in dem breiten braunen Ledergürtel verhakt und breitbeinig mitten im Schnee stehend. Er hatte bestimmt keine Zahnschmerzen. Seine Backen lugten aus dem weißen Gestrüpp seines Bartes wie zwei rotwangige Äpfel und seine kleinen Augen lachten fröhlich und verschmitzt, Am liebsten würde man mitlachen und in sein vergnügtes „hohoho!“ mit einstimmen.
Neben dem Weihnachtsmann prangte eine festlich geschmückte Weihnachtstanne mit unzähligen Lichtern und noch ein wenig weiter schauten zwei Engel aus einer Wolke auf die Erde hinab. Das war Djamilas Lieblingsmotiv auf der Dose, denn Oma hatte einmal gesagt, dass sie, Djamila, einer dieser Engel sei.
Obwohl das Mädchen da seine Zweifel hatte. Mussten Engel nicht immer brav und folgsam sein? Und das war sie bestimmt nicht, sie konnte ganz schön schmollen, wenn es mal nicht nach ihrem Kopf ging. Dann musste sie lachen, denn Papa war auch gerade im Zimmer gewesen und hatte Omas Worte gehört.
„Mama, du hattest schon immer eine rosarote Brille auf, wenn es um deine Enkelin geht“, hatte er schmunzelnd gesagt. Daran konnte sich Djamila noch genau erinnern.
Djamila hatte gelacht, als sie sich Oma mit einer rosaroten Brille vorgestellt hatte. Die Bedeutung dieser Worte war ihr damals aber nicht bewusst gewesen.
„Oma, du hast dich getäuscht“, flüsterte Djamila.
„Du bist das da oben auf der Wolke und neben dir ist deine Freundin Anna, von der du mir so oft erzählt hast.“
Auf Djamilas Lippen lag ein Lächeln bei der Erinnerung an ihre Oma, aber in ihren Augen glitzerten schon wieder die Tränen. Das erste Weihnachtsfest ohne Oma konnte sie sich nicht vorstellen und das wollte sie auch nicht. Sie öffnete den Deckel der Weihnachtsdose und griff nach dem mit Spitze umhäkelten Taschentuch und schnupperte daran.
Sie schloss die Augen. Es roch so schön nach Oma! Wie hatte sie Weihnachten immer geliebt. Und nun sollte das erste Mal das Fest ohne sie stattfinden. Sie drehte die Dose und betrachtete gedankenverloren den geschmückten Weihnachtsbaum. Da hatte sie eine Idee, wie Oma doch mitfeiern könnte und das jedes Jahr. Sie würde eine Weihnachtskugel basteln mit ihrem Bild und glücklicherweise hatte sie ganz viele Geschichten, die Oma für sie gesprochen hatte, und die sie nun immer wieder anhören konnte.
Am Heiligabend hing die Kugel mit Omas Bild am festlich geschmückten Baum. Die Familie saß zusammen und erinnerte sich daran, wie es in den Jahren zuvor gewesen war und die ein- oder andere Träne floss auch an diesem Abend.
Als man später gemeinsam Omas lustige Weihnachtsgeschichten anhörte, konnte man sogar schon wieder ein bisschen lachen und das hätte Oma gefreut, ganz sicher hätte sie das gefreut!

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor.

Photo by Ylanite Koppens on Pexels.com

Engel unter sich (ein kleines Hörspiel für Zwei)

Wolkenhimmel

Zwei Engel, ein junger und ein älterer, sitzen auf einer dicken Wolke. Es ist kurz vor Weihnachten. Die beiden ruhen sich aus, denn sie haben für die Festvorbereitungen kräftig gearbeitet.

Kleiner: Na du!

Großer: Na du? Was soll das denn heißen?

Kleiner: Wollte nur mal Hallo sagen, mir ist so langweilig hier!

Großer: Mmh, ja, ein bisschen langweilig ist mir auch! Hast du denn auch schon alle Aufgaben erledigt?

Kleiner: Klar, ich war in diesem Jahr in der Backwerkstatt. Ich kann dir sagen: tonnenweise Mehl haben wir da verarbeitet. Junge, war das eine Arbeit!

Großer: Ein bisschen Respekt bitte, ich bin kein Junge, ich bin ein Engel, ein alter dazu.

Kleiner: Sorry, habe ich doch nicht böse gemeint. Weißt du, ich mag dich doch!

Großer: So? Mmh, ja, wie soll ich es sagen?

Kleiner: Sag einfach wie dir der Schnabel gewachsen ist …

Großer: Ich habe aber keinen … ach egal. Ich wollte sagen, dass es mich freut, wenn du mir sagst, dass du mich magst! Hat mir lange keiner mehr gesagt!

Kleiner: Oh, dann wurde es ja Zeit. Sollen wir ein bisschen singen?

Großer: Ach nein, weißt du, meine Stimme ist etwas kratzig. Früher konnte ich schön singen, da war ich sogar im Engelchor. Ach, was haben wir schöne Konzerte gegeben.

Kleiner: Toll. Ich spiele in diesem Jahr im Orchester mit, darauf freue ich mich schon sehr. Morgen haben wir wieder eine Probe. Ich muss gleich noch ein bisschen üben. Spielst du mit?

Großer: Ich kann das nicht und um es zu lernen bin ich wohl schon zu alt! Schade!

Kleiner: Ach was, du bist doch nicht alt. Alles kann man lernen, man muss es nur wollen!

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel zieht seine Flöte hervor und einen Putzstab. Er fängt an, das Instrument zu reinigen.

Großer: Was machst du da?

Kleiner: Ich reinige meine Flöte, weißt du, sie muss von innen immer gut ausgewischt werden, sonst verändert sich das Holz und dann klingt sie nicht mehr schön. Wenn ich gleich fertig bin, dann zeige ich dir, wie man spielt!

Großer: Ach, das ist vergebliche Liebesmüh, das lerne ich nie. Bin viel zu alt dafür!

Kleiner: Jetzt hör aber auf, ständig mit deinem Alter zu kokettieren. Du bist nicht alt, nur älter als ich und was macht das schon?

Großer: Wenn du meinst!

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel reicht dem Alten die Flöte und zieht eine weitere Flöte hervor.

Kleiner: Zuuuufällig habe ich noch eine Flöte, die ist schon sauber. Wir können also loslegen.

Großer: Loslegen? Ich?

Kleiner: Ja pass auf, ich zeige es dir. Du musst den linken Daumen schön dicht auf das Daumenloch legen, guck hier hinten …

Großer: Okay, das klappt. Und dann?

Kleiner: Dann legst du den Zeigefinger auf das oberste Loch, den Mittelfinger auf das nächste und immer so weiter, bis alle Finger auf der Flöte sind. Mach mal!

Großer: So? Mach ich das richtig? Aber ich höre gar nichts!

Kleiner:Haha, du bist mir ja einer. Du musst oben reinpusten, sonst hört man natürlich nichts, ist doch klar!

Großer: Ach so, ja, warte, ich versuche es mal! (Er spielt ein paar Töne) Klingt schaurig! So wird das nichts, glaube ich!

Kleiner: Nicht so ungeduldig – wir haben ja etwas ganz Wichtiges vergessen!

Großer: Was denn?

Der kleine Engel fasst in seine Tasche und holt etwas Sternenstaub heraus, er pustet ihn über beide Flöten!

Kleiner: So, nun kann es losgehen, was spielen wir?

Großer: Weiß ich doch nicht, sag du!

Kleiner: Für den Anfang was Leichtes … eins, zwei drei vier

Die beiden spielen „Alle Jahre wieder“, es klappt ganz gut!

Großer: Ich bin beeindruckt, das hätte ich nicht gedacht, dass das so gut klappt.

Kleiner: Du bist eben cool!

Großer: Cool?

Kleiner: Talentiert, meinte ich.

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Sie nehmen wieder die Flöten. der Kleine zählt an. Sie spielen: Hört der Engel helle Lieder, es klingt wunderbar.

Kleiner: Ich werde vorschlagen, dass du im Orchester mitspielen kannst!

Großer:Das wäre wunderbar. Schon immer wollte ich in einem Orchester mitspielen. Danke, kleiner Engel, du bist …

Kleiner: Cool?

Großer: Ja, genau!

Kleiner: Wenn du meinst!

Großer: Meine ich!

© Regina Meier zu Verl

24. Dezember 2021 Heiligabend

24. Dezember

Moni freute sich so sehr, dass sie Tina spontan umarmte.
„Mir hat noch nie jemand ein so schönes Geschenk gemacht“, sagte sie. „Danke Tina!“
„Magst du meine Freundin sein? Ich werde dich oft besuchen und sicher darfst du mich auch einmal zu Hause besuchen“, versprach Tina.
„Klar, wenn Frau Sommer es erlaubt, darf ich dich auch besuchen!“
Tina nahm Moni an die Hand und zog sie zu ihrer Mutter.
„Hallo Moni“, sagte die Mutter. „Freust du dich auch schon so auf Weihnachten?“
„Wie schön, dass Träume manchmal wahr werden können!“, sagte Tina und dann seufzte sie zufrieden.

An dieser Stelle könnte die Geschichte enden, liebe Leser. Aber was ist dann mit den Fragen, die noch unbeantwortet blieben? Und ist eine Freundin ein guter Ersatz für eine Schwester oder einen Bruder?
Für wen sind die beiden Porzellanschilder? Und woher weiß der Adventskalender, dass Tina zwei Freundschaftsbändchen brauchte?
Warum war Tinas Mama öfter krank in den letzten Wochen? Und zuletzt: wo waren Papa und Mama als sie geschwindelt hatten wegen der Weihnachtsfeier der Arbeitskollegen?
Also, der Reihe nach:
Eine gute Freundin oder einen Freund zu haben, das ist sehr wichtig und kann tatsächlich ausgleichen, wenn man keine Geschwister hat – ich bin gesegnet mit einer Schwester und einem Bruder und die beiden möchte ich nicht missen. Aber ich habe auch zwei sehr gute Freundinnen, die mich tragen und auffangen, wenn es mir mal nicht so gut geht und mit denen ich meine Freuden teilen kann.
Kommen wir zu den Porzellanschildern. Habe ich ein wenig damit in die Irre geführt? Wollte ich auch, aber es ist wahr, sie werden beide gebraucht, auch wenn Moni nicht bei Tinas Familie einziehen wird.
Der Adventskalender ist magisch, schließlich hat er sprechende Figuren in sich gehabt und er wusste genau, dass sowohl zwei Freundschaftsbänder, als auch zwei Türschilder gebraucht wurden. Das Bändchen für Moni und das Türschild … na, warum war Mama immer so übel? Richtig, sie ist schwanger und in Papas ehemaliges Büro wird ein Baby einziehen. Ist das nicht wunderbar?
Was mit der Weihnachtsfeier war, möchtet ihr noch wissen?
Die Eltern haben Kinderzimmermöbel gekauft und sie waren im Kinderheim und haben mit Frau Sommer gesprochen, weil sie so gern Moni zu Weihnachten zu sich einladen wollten.
Warum gerade Moni?
Na, von der hatte Tina doch geträumt – es war eben magisch, nicht wahr?

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten, macht es euch gemütlich mit euren Lieben und bleibt gesund,

Eure Regina

23. Dezember 2021

23. Dezember

So schnell wie an diesem Morgen war Tina noch nie aus ihrem Bett gesprungen. Auch im Bad trödelte sie nicht lang herum.
Nach dem Frühstück fuhr sie dann mit Mama zusammen zur Schule.
Vorher zeigte sie ihr aber noch die beiden Porzellanschilder, die in ihrem Adventspäckchen gewesen waren.
„Weißt du, wofür die Schilder sein sollen?“, fragte sie.
Mama zuckte mit den Achseln.
„Nein, aber hübsch sind sie. Sicher findet sich ein geeigneter Platz dafür“, meinte Mama.
„Oder zwei“, ergänzte Tina. Mama lächelte.
Heute durften auch alle Freunde mit in die Schule, das hatte Tina ihnen versprochen und was man verspricht, das muss man auch halten. Auch an die beiden Freundschaftbändchen dachte Tina. Vielleicht begegnete ihr das Mädchen aus dem Traum. Dem würde sie dann eines davon schenken.
Es war ja nur ein Traum gewesen, doch nach allem, was Tina in diesem Advent schon erlebt hatte, hielt sie selbst das für möglich.

Das Sophienheim lag am Rande der Stadt. Es war ein altes Gebäude, das aussah wie ein richtiges Schloss. Die Kinder staunten, als sie dort vorfuhren. Mit dem Bus waren sie gekommen, denn Timos Vater hatte ein Busunternehmen und hatte den Bus zur Verfügung gestellt. Natürlich fuhr er ihn zur Feier des Tages selbst.
Timo war mächtig stolz auf seinen Papa.
„Habt ihr den großen Garten gesehen?“, rief Sascha. „Da könnte man herrlich Fußball spielen!“, fügte er hinzu.
Als sie die Eingangshalle des Heims betraten, wurden sie von einer jungen Dame erwartet, die jedes Kind mit Handschlag begrüßte.
„Wie schön, dass ihr gekommen seid!“, sagte sie. „Die Kinder freuen sich auf eine Überraschung, aber ich habe noch nichts verraten. Sie sind alle im Speisesaal, kommt mit!“
Die Dame reichte auch Tinas Mutter die Hand. „Könnte ich sie später noch kurz sprechen?“, flüsterte sie ihr zu. „Sicher!“, flüsterte Tinas Mama zurück.
Tina wunderte sich ein bisschen, doch zum Nachdenken blieb nun keine Zeit mehr. Sie betraten den Saal, der wunderschön geschmückt war. Auf den Tischen leuchteten Kerzen und auf jedem Tisch stand ein großer Teller mit Kuchen. Von der Decke des Raumes baumelten goldene Sterne und es roch köstlich nach Zimt und Orangen.
Tinas Mutter packte die Gitarre aus und dann stimmten die Kinder das erste Lied an. Zuerst zaghaft, dann aber immer mutiger stimmten die Kinder des Sophienheimes mit ein. Tina sagte ein Gedicht auf, dann sagte die Lehrerin ein paar Worte und danach wurden die kleinen Geschenke verteilt. Dazu kam jedes Kind nach vorn. Plötzlich stockte Tina der Atem. Da war sie, das Mädchen aus dem Traum. Es kam direkt auf Tina zu und lächelte sie an.
„Hallo, ich bin Moni!“, sagte sie und reichte Tina die Hand.
„Ti-Ti-Tina!“, stammelte Tina und Moni lachte fröhlich.
„Das ist aber ein lustiger Name.“
Da musste auch Tina herzlich lachen.
„Ich habe dir etwas mitgebracht, Moni!“ Tina reichte Moni das Freundschaftsbändchen. „Das ist für dich!“, sagte sie. „Schau, ich habe auch eins!“

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22. Dezember 2021

22. Dezember

Am Morgen hüpfte Tina bereits um sieben Uhr aus dem Bett. Heute war der große Tag, an dem sie im Kinderheim auftreten würden. Tina hatte schon in der Nacht davon geträumt. Ganz deutlich hatte sie die Gesichter der Kinder vor sich gesehen.
Ein Mädchen war dabei, das sich hinter den anderen Kindern versteckte. Tina konnte sich genau an sie erinnern. Große, dunkle Augen hatte sie, die fragend in die Welt blickten. Das Kind war ihr sofort aufgefallen. Warum das so war, das wusste Tina nicht.
Die Freunde schliefen noch. Sicher hatten sie wieder die ganze Nacht geplaudert. Tina war leise, holte ihr Geschenk vom Adventskalender und krabbelte wieder ins warme Bett. Vorsichtig, um nicht zu rascheln, öffnete sie das Päckchen. Es waren zwei ovale Porzellanbilder darin, beide sorgfältig in Seidenpapier gewickelt. Auf der Rückseite befanden sich jeweils zwei Schrauben, die wohl durch die Löcher geschraubt werden sollten, die sich rechts und links vom Rand befanden. Beide Bilder waren genau gleich.
„Es sind Türschilder“, dachte Tina. Aber wo sollten die angebracht werden, vielleicht an ihrer Zimmertür eines, aber was war mit dem zweiten? Komisch!
Mit nackten Füßen schlich Tina über den Flur zu Papas Büro. Sie wollte schnell einen Blick hineinwerfen. Vielleicht kam sie dem Geheimnis so auf die Spur, denn seit ein paar Tagen war das Zimmer immer abgeschlossen gewesen und ein Schild „Betreten verboten“ klebte an der Tür. Das war Papas Schrift, eindeutig.
Tina war ein folgsames Kind, aber nun hielt sie es nicht mehr aus. Behutsam drückte sie die Klinke hinunter. „Einen Blick nur“, flüsterte sie. Doch die Tür war abgeschlossen.
In diesem Moment kam Mama die Treppe hinauf, Tina flitzte in ihr Zimmer und sprang ins Bett.
„Was ist los?“, fragte die Schneefrau.
„Still! Mama kommt!“, raunte Tina ihr zu.
Mama betrat das Zimmer. Sie wunderte sich, dass die Tür nicht geschlossen war. Aber sie sagte nichts dazu.
„Guten Morgen, Tina! Aufstehen, heute ist der Tag, auf den du so lange gewartet hast!“

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21. Dezember 2021

21. Dezember

Tina hatte unruhig geschlafen. Immer wieder war sie wach geworden, weil die Spielzeuge lautstark miteinander diskutierten. War Tina dann aber wach, schwiegen sie. Um sie zu belauschen, hatte Tina sich dann schlafend gestellt. Trotzdem hatte sie kein Wort verstanden von dem, was da geredet wurde.
Es ging um Papas Büro und um einen Möbelwagen. Die Schneefrau hatte immer wieder von einer großen Freude gesprochen. Immer wieder sagte sie, dass SIE recht habe mit dem was sie vermute.
Tina konnte sich keinen Reim darauf machen. Unruhig wälzte sie sich im Bett herum und als sie am Morgen aufstand, war sie erschöpft, kein Wunder, oder?
Als erstes packte sie ihr Adventspäckchen aus und schon wieder musste sie rätseln, was das zu bedeuten hatte. Es war ein großes Fragezeichen aus Lebkuchen, lecker verziert mit Zuckerguss und Liebesperlen.
Die Sache wurde immer spannender.
„Was hat das nun wieder zu bedeuten?“, fragte Tina den kleinen Nikolaus.
„Wie soll ich das wissen?“, antwortete der. Doch Tina hatte das sichere Gefühl, dass er mehr wusste, als er zugab. Er wollte nur nichts verraten.
„Ihr seid mir schöne Freunde“, schimpfte sie, „mich hier im Dunklen lassen, das ist nicht nett!“
Wenn sie aber richtig darüber nachdachte, dann kam sie zu dem Schluss, dass sie wohl auch nichts verraten hätte, wenn es um eine Überraschung für einen ihrer Freunde gegangen wäre.
Also versuchte sie, sich abzulenken und schrieb in ihr Geschichtenbuch:
Nun ist es bald so weit, ich kann es kaum noch erwarten, bis Weihnachten da ist. Alle Zeichen deuten auf eine große Überraschung hin. Was kann es nur sein. Ich habe keine Ahnung und ich werde es auch nicht herausbekommen, denn hier rundum mich herum, halten alle dicht, leider. Ich verstehe es zwar, aber ich bin auch ein wenig verärgert.
Morgen singen wir im Kinderheim. Ich bin ganz schön aufgeregt, ich hoffe sehr, dass alles gut klappt!

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20. Dezember 2021

20. Dezember

Wie abgesprochen hatte Papa mittags seine Tochter wieder abgeholt. Der seltsame Schlüssel war in den Puppenkoffer zu den anderen Geschenken gewandert.
Selbstverständlich waren auch die Freunde gespannt, wofür dieser Schlüssel denn sein sollte. Sie diskutierten und stellte schonmal einige Möglichkeiten zusammen.
„Pst, seid doch still“, flüsterte Tina, die Angst hatte, dass ihr Vater was merken könnte. Sie schloss den Koffer und auf die Frage, mit wem sie denn da spreche, sagte sie: „Manchmal rede ich mit mir selbst, Papa, ich glaube, ich werde alt!“
Papa lachte laut auf. „Von wem hast du denn diesen Spruch?“, fragte er.
„Das sagst du doch selbst immer, Papa!“
Darauf hatte Papa nichts zu sagen, er grinste vor sich hin.
„Hattet ihr denn eine schöne Weihnachtsfeier?“, wollte Tina wissen.
Papa stotterte ein wenig, als er antwortete:
„Ja, ja, es war ganz nett. Nichts Besonderes, einfach eine Weihnachtsfeier!“
Tina verkniff sich die nächste Frage. Er schwindelte, das war sicher und schon bald sollte sich herausstellen, dass sie damit auch recht hatte.
Ein paar Tage müsst ihr aber noch warten, es dauert ja noch ein wenig bis Heiligabend.
Wer wird denn so neugierig sein?

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Die drei Glocken

Die drei Glocken

Im ersten Türchen fanden wir eine kleine goldenen Glocke und hörten die Geschichte vom Glöckchen, das im Glockenturm einer kleinen Bergkapelle sein Zuhause gehabt hatte. Am Sonntag vor dem Gottesdienst ertönten immer die beiden großen Glocken und der Klang des kleinen Glöckchens ging darin unter, so dass niemand hören konnte, welch silberhelles Stimmchen die Kleine hatte. Trotzdem läutete sie voller Inbrunst, denn sie wusste, dass sie wie Lie-be klang, Lie-be, Lie-be, Lie-be. War das nicht das Wichtigste auf der Welt? Die Liebe!
„Spiel dich nicht so auf, Kleine, tönte die dicke Glocke, die alle anderen übertönte. Es ist der Glaube, der am wichtigsten ist. Ja, ja, der Glaube!“ Sie legte sich noch einmal so richtig ins Zeug und die Kinder, die vor der Kirche standen legten die Hände auf die Ohren, so laut war sie.
„Und was ist mit mir?“, fragte die dritte Glocke, die ein wenig kleiner war als die Dicke, aber immer noch laut genug, um die kleine Glocke zu übertönen. „Ich bin die Hoffnung und ohne die Hoffnung geht gar nichts!“
Es stimmt nicht, dachte die kleine Glocke, aber sie schwieg. Wusste sie doch genau, dass die Liebe, war sie als Glöckchen auch noch so klein, die Größte von allen war, was ihre Bedeutung betraf. Aber sie liebte ja ihre beiden Freunde und deshalb ließ sie diese gewähren.
Langsam klangen sie aus, die Gottesdienstbesucher waren alle in der Kirche, als die Hoffnungsglocke leise sagte: „Bald ist wieder Weihnachten, ich hoffe sehr, dass es friedlich sein wird, hier und überall auf der Welt!“
„Das möchte ich so gern glauben“, flüsterte die Glaubensglocke. „Aber denkt doch mal an die vielen traurigen Erlebnisse dieses Jahres. Da kann einem angst und bange werden, findet ihr nicht auch?“
Beinahe hätten die beiden anderen Glocken genickt, aber das durften sie nicht, weil sie erst am Ende der Sonntagsfeier wieder läuten durften.
„Vielleicht“, wisperte die kleine Glocke, „vielleicht sollten wir einmal alles anders machen, nicht mehr schweigen und uns fügen, sondern die Menschen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Glaube, Liebe und Hoffnung sind. Was meint ihr?“
„Sie hat recht!“, meinte die Dicke und auch die Mittlere stimmte zu. „Ja, wir sollten nicht mehr schweigen. Kleine Glocke, fang du an und wir stimmen dann leise mit ein. Wie findest du das?“
So kam es, dass die kleine Glocke zunächst ganz allein ihr Lie-be, Lie-be, Lie-be erklingen ließ, ganz fein und leise klang das und die Menschen horchten auf. Und als die mittlere Glocke einstimmte, da staunten alle, die es hören konnten und das war weithin möglich. Schließlich setzte die große Glocke ein und man hörte das Geläute der drei weit über den Ort hinaus. Die Menschen blieben stehen und lauschten andächtig.
„Jetzt kann Weihnachten werden!“, sagte der alte Michel, der zum ersten Mal nach vielen Jahren ein Lächeln auf den Lippen hatte. „Glaube, Liebe und Hoffnung, diese drei“, flüsterte er und schaute glücklich in den Winterhimmel.

© Regina Meier zu Verl

Die drei Glocken – Bild Regina Meier zu Verl (nach einem Tutorial von happypaintingclub)

19. Dezember 2021

19. Dezember

Beim Frühstück sagte Mama, dass Tina in der nächsten Nacht bei den Großeltern schlafen sollte. Sie und Papa hätten etwas vor am Abend.
Tina ging gern zu Oma und Opa, aber heute wollte sie lieber mit ihren Eltern mitgehen. Sie taten so geheimnisvoll.
„Was habt ihr denn vor? Ich möchte mit!“, sagte sie deshalb.
„Das geht leider nicht, Tinalein. Es ist die Weihnachtsfeier von Papas Firma, da sind Kinder nicht mit eingeladen. Außerdem wäre es sowieso langweilig dort!“
Das verstand Tina und scheinbar hatte es mit dem Geheimnis ja auch nichts zu tun und sie würde nichts verpassen.
Sie packte also ihre Tasche und den Puppenkoffer, die Freunde sollten ja auch mitkommen. Dann nahm sie das nächste Päckchen von der Adventskalenderleine. Das durfte sie ja dann am Morgen auspacken, ob sie nun bei Oma war oder zuhause.
Zuerst aber ging es in die Schule und nach der Schule fuhr Papa sie zu Oma und Opa.
„Hier bin ich!“, rief Tina schon im Flur. „Was machen wir denn heute?“, fragte sie gleich hinterher.
„Immer langsam, junge Dame!“, Opa lachte und hob Tina hoch. „Erstmal wird der Großvater entsprechend liebevoll begrüßt, oder?“
„Klar“, Tina schlang ihre Arme um Opas Hals und drückt ihm einen Schmatzer auf die Wangen. Auch Oma wurde mit einem Küsschen bedacht und dann verabschiedete Papa sich.
„Mach’s gut, und sei lieb, meine Große!“, sagte er noch. Als wäre Tina jemals nicht lieb gewesen, ts.
Tina erzählte ihren Großeltern, dass sie an Heiligabend zum Kinderheim gehen würden, mit der ganzen Klasse und mit Mama.
„Ja, das weiß ich schon. Deine Mama hat ja mit der Heimleiterin gesprochen!“, sagte Oma.
„Das ist gemein, davon hat sie mir gar nichts gesagt. Überhaupt ist mir das ein bisschen zu viel mit den Heimlichkeiten. Bist du sicher, dass sie heute auf eine Weihnachtsfeier gehen? Ich glaube das nämlich nicht, denn Annas Vater arbeitet in der gleichen Firma wie Papa und der muss nicht zur Weihnachtsfeier.
„Tina!“, sagte Oma entsetzt. „Du willst doch nicht behaupten, dass deine Eltern dich anlügen?“
„Nein, nicht richtig lügen – mehr so schwindeln. Mein Schneemann meint das auch!“
Nun wollte Oma aber wissen, was es mit dem sprechenden Schneemann auf sich hat und Tina erzählte ihr die ganze Geschichte.
Natürlich verhielten sich die Freunde mucksmäuschenstill, denn nur für Tina erwachten sie ja zum Leben. Aber Oma Hilde glaubte ihr trotzdem.
„Wenn man richtig fest an eine Sache glaubt, dann ist sie wahr – oder sie wird wahr werden. Daran glaube ich auch fest. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Weihnachten ist eben mit Heimlichkeiten verbunden, du hast ja auch welche, nicht wahr?“
Tina nickte. Das stimmte ja, sie hatte Mama und Papa auch noch nichts von den lebendigen Figuren erzählt.
„Was hältst du davon, wenn wir einen schönen Spaziergang im Schnee machen?“, schlug Oma vor.
Das machten sie, Opa kam auch mit und später kuschelten sie sich aufs Sofa und erzählten sich gegenseitig Geschichten. Schön war’s!
Das Highlight des Tages war allerdings, dass Tina im großen Bett zwischen den Großeltern schlafen durfte.
Am nächsten Morgen fand Tina in ihrem Päckchen einen kleinen Schlüssel.
„Komisch, was soll ich denn mit einem Schlüssel?“, fragte sie.
„Das richtige Schloss dafür finden“, meinte Opa.

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18. Dezember 2021

18. Dezember

Am Nachmittag wurde in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Die größeren Schüler hatten es mit dem Lehrer einstudiert. Tina ging mit ihrer Oma hin, denn Mama ging es nicht so gut an diesem Tag Sie sagte, das käme vom vielen Plätzchenteig naschen.
„Und mit verbietest du das immer“, hatte Tina geschimpft. Mama hatte gelacht und ihr einen liebevollen Klaps auf den Po gegeben.
„Hast ja recht und nun schwirr ab, ich wünsche euch viel Spaß.“
Das Theaterstück war richtig schön, natürlich ging es um das Weihnachtsfest. Der Kalle aus der Fünf spielte den Josef und vergaß andauernd seinen Text und der kleine Timo musste wohl etwas verwechselt haben, als er sang: „Kommet ihr Hirschen“.
Die HIRTEN waren dann auch ziemlich belustigt und lachten albern, wobei sie sich gar nicht wieder beruhigen konnten. Annelie spielte die Maria. Sie rettete die Situation, indem sie einfach ihr Solo anstimmte. Sofort waren alle wieder ruhig und andächtig, denn Annelie hatte eine Stimme wie ein Engel, wunderschön.
Am Schluss konnte jeder Besucher eine Kerze am Friedenslicht aus Jerusalem anzünden und mit nach Hause nehmen. In einem großen Einweckglas trug Tina das Licht zum Auto und es blieb am Leuchten, obwohl es draußen windig war. So ein Glück.
Wieder zu Hause angekommen, sang Tina ihrer Oma noch alle Weihnachtslieder vor, die sie mit den Klassenkameraden eingeübt hatte. Mama begleitete sie auf der Gitarre und die Engel in der Hosentasche spielten auch mit. Das kitzelte Tina an den Beinen und sie kicherte.
„Was ist denn so lustig?“, fragte Oma.
„Och, nichts!“, schwindelte Tina.
Später dann in Tinas Zimmer lachte die ganze Adventskalendergesellschaft über das Krippenspiel in der Schule.
„Meine Güte, war das lustig, besonders die Sache mit den Hirschen!“, sagte der kleine Nikolaus.
Alles in allem war es wieder einmal ein wunderbarer Tag in der Adventszeit gewesen. Tina war zufrieden, wenn sie jetzt noch wüsste, was es mit dem Gedicht und der Überraschung auf sich hatte, wäre das Leben perfekt gewesen.
Aber erst einmal fand sie am Morgen in ihrem Päckchen eine glitzernde Haarspange mit goldenen Sternchen.
„Oh, ist die toll!“, rief Tina erfreut.

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