Was ein Lächeln bewirken kann

Was ein Lächeln bewirken kann

Gela stand vor dem Spiegel und betrachtete kritisch die kleinen Fältchen rund um ihren Mund. Sie gefielen ihr nicht. Trotzdem lächelte sie ihr Spiegelbild an und sofort waren auch die Fältchen weg. „Ich sollte nur noch lächeln!“, beschloss Gela. Sie verzog das Gesicht, zwinkerte mit den Augen, pustete die Wangen auf, dann lächelte sie. Ein Lächeln, das die Augen nicht erreichte.
„Es gibt ja auch nichts zu lachen“, knurrte sie und lächelte trotzdem.
Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass sie, seit sie die Menschen anlächelte, die ihr begegneten, viel bessere Laune hatte und die Tage erträglicher wurden. Also machte sie es sich zu einer festen Gewohnheit. Und manchmal hatte sie das Glück, dass Leute, die vorher eher grimmig vor sich hin stierten, ihre Mundwinkel auch etwas nach oben bewegten. Manche lächelten sogar zurück. Und das war doch mal ein guter Anfang. Wenn das alle täten!
„Man müsste alle Zeitungsredaktionen kapern und an einem Montagmorgen in allen Blättern im Land auf der Titelseite LÄCHELN SIE UND ALLES WIRD GUT veröffentlichen!“, überlegte sie nun und musste kichern.
Gela fiel ein Buch ein, das sie vor langer Zeit mal gelesen hatte, seine Aussage war genau das: Es allen sagen und auf den Erfolg warten. An den Titel konnte sie sich nicht mehr erinnern, aber der Autor hatte immer vom sogenannten “Tipping Point“ geschrieben, also etwas anstoßen und ins Rollen bringen! Nur wie?
Ihr Blick fiel auf die Nähmaschine, die seit einigen Wochen unangerührt auf dem Tisch in der Ecke stand und langsam einstaubte. Und dann hatte sie eine Idee.
„Wir müssen das Lächeln überallhin tragen: Auf Bildern, auf Schals, auf T-Shirts und Blusen, überall, damit es jeder immer und immer wieder sehen kann! Ja, das wäre ein Anfang.“ Ein Lächeln als Botschaft für den Alltag, aufgemalt und aufgestickt und immer dabei.
Gela legte alles bereit, um mit ihrem Vorhaben zu starten. Sie entstaubte die Nähmaschine und machte sie sich daran, eine Skizze zu zeichnen. Schnell merkte sie, dass sie dabei Hilfe brauchte, deshalb schickte sie ihrer Freundin eine SMS
„Hilfe erwünscht, wir bringen die Welt zum Lächeln! Machst du mit?“
Sie schickte die Nachricht ab und lächelte. Prompt kam die Antwort:
„Ich bin dabei, sag mir wo und wie!“
Und das teilte Gela der Freundin dann auch sofort mit: „Umgehend. Bring Farben und Stoffe mit, gute Laune und ein Lächeln.“
Noch während sie die SMS absandte, trat sie vor den Spiegel und staunte. Es war ein anderes Gesicht, das ihr entgegen strahlte, als heute Morgen, ein leuchtendes Gesicht mit einem Lächeln, das die Wangen und die Augen endlich wieder erreichte.

© Regina Meier zu Verl

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