Muskelkraft statt Steckdose

Muskelkraft statt Steckdose

»Früher hatten wir eine Kaffeemühle aus Holz, die klemmte sich meine Mutter zwischen die Knie und dann wurde mit der Kurbel gedreht, was das Zeug hielt. Dadurch wurde das Mahlwerk betätigt, das die Kaffeebohnen in feines Kaffeemehl mahlte«, erklärte Oma, als sie gerade eine Kaffeetüte aufschnitt, um sich einen Kaffee zu kochen.
Das klang spannend. Es war doch cool, wie man damals den Kaffee gemahlen hatte. Und da war noch eines.
»Mega!«, rief ich. »Dann brauchte man keinen Strom! Ist das nicht toll?«
»Stimmt, und ganz ehrlich: der Kaffee schmeckte sehr viel besser als der, der später mit elektrischen Mühlen gemahlen wurde!«, behauptete Oma.
»Und warum nimmst du dann lieber die elektrische Mühle, Oma?« Ich verstand es nicht ganz.
»Du könntest Strom sparen und dann schmeckt der Kaffee auch viel besser.« So einfach war es doch, oder? Und Strom sparen war wichtig.
»Du hast ja recht, aber ich habe den Kaffee bereits gemahlen gekauft. Ich besitze nämlich keine Kaffeemühle mehr, weder eine elektrische noch so einen alten Kasten, wie meine Mutter einen hatte«, sagte Oma.
»Dann wünsch dir doch eine zum Geburtstag, oder gibt es die gar nicht mehr, die Handkaffeemühlen?«, wollte ich wissen, denn ich hatte große Lust, den Kaffee für meine Oma zu mahlen. Überhaupt hatte ich große Lust, irgendetwas zu zermahlen. Beim Schulausflug hatten wir eine alte Mühle besichtigt und es hat mich schwer beeindruckt, wie die alten Mühlsteine harte Körner in feinen Mehlstaub verwandelt hatten.
»Wir könnten dann auch Mehl in so einer Kaffeemühle mahlen«, erklärte ich Oma. »Das ist sehr praktisch.«
Oma lachte. »Das wäre aber sehr mühsam, dafür brauchten wir dann eine viel größere Mühle.«, meinte sie und das sah ich wohl ein.
»Aber es muss doch noch weitere Dinge geben, die uns dabei helfen Strom zu sparen«, überlegte ich laut.
»Ja, zum Beispiel ein Waschbrett, das könnte uns helfen, die Waschmaschine zu ersetzen. Aber ganz ehrlich, ich sehne mich nicht nach einem Waschbrett zurück!«
Waschbrett? Das klang kompliziert und ich ahnte, was man damit machte.
»Nicht alles, was Strom spart, ist praktisch«, meinte ich schnell. Und dann überlegte ich krampfhaft, welche altmodischen Geräte man doch wirklich auch heute noch prima zum Stromsparen benutzen konnte. Der alte Rasenmäher fiel mir ein, der hinten im Schuppen stand.
Ich schlug vor, dass ich den Rasen demnächst mit dem mechanischen Mäher für meine Oma mähen könnte.
»Großartige Idee! Ich werde Opa sagen, dass er ihn ein wenig auf Vordermann bringen soll – oder sag es ihm gleich selbst, da kommt er ja!«

© Regina Meier zu Verl

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