Marienblume, Pfingstrose, was ist denn nun richtig?

Marienblume, Pfingstrose, was ist denn nun richtig?

„Schau nur Anni, die Pfingstrose wird bald aufblühen. Ich liebe die Zeit der Pfingstrosen!“, sagt Oma Anna zu ihrer Enkelin.
„Haben sie auch Dornen, die Pfingstrosen?“, will Anni wissen und greift vorsichtig ins Blattgrün.
„Nein, wo denkst du hin? Aber aufpassen musst du trotzdem. Pfingstrosen sind nämlich leicht giftig und man kann sich mächtig den Magen verderben, wenn man ein Blattstück oder ein Blütenblatt nascht.“ Ernst sieht Oma Anna Anni an.
„Also immer schön Hände waschen, wenn du eine Pfingstrose angefasst hast.“
„Versprochen!“, sagt Anni und gleich fällt ihr schon wieder eine Frage ein. „Warum haben sie denn keine Dornen, Oma?“
„So genau weiß ich das auch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Pfingstrose, die auch Marienblume genannt wird, weil man ihr nachsagt, dass sie Heil, Geborgenheit und mütterliche Liebe spendet, aus genau diesem Grund keine Dornen hat. Um niemanden zu verletzen. Die alten Griechen berichten sogar, dass ein römischer Gott durch das Pferd seines Vaters zu Tode gekommen war und dann durch eine Pfingstrose wieder zum Leben erweckt wurde.“
Anni staunt. „Was du alles weißt, Oma!“, sagt sie bewundernd.
„Ach, das habe ich mal irgendwo gelesen“, sagt Oma Anna und schnuppert an der Knospe. „Bald wird sie wunderbar duften“, sagt sie.
„Dann ist die Pfingstrose also gar keine echte Rose“, meint Anni. „Sie heißt nur so?“
Oma Anna nickt. „Muss wohl so sein“, murmelt sie, denn diese Frage kann sie ihrer kleinen Enkelin ausnahmsweise einmal nicht beantworten und das bekümmert sie.
„Oma, das geht doch eigentlich gar nicht, dass, wenn einer tot ist, er durch eine Blume wieder zum Leben erweckt werden kann, oder?“, will Anni nun wissen.
„Nein, eigentlich nicht, vielleicht ist es ja ein Märchen, die Geschichte mit dem Pferd und dem Vater!“, sagt Oma Anna.
„Mitnichten“, ertönte da eine Stimme von irgendwo. „Und wer sagt, dass das, was euch Märchen erzählen, nicht wahr ist? Ich sage euch, die Märchen erzählen mehr wahre Dinge, als man glauben mag.“
Anni lauscht. „Hast du das auch gehört, Oma?“, fragt sie leise.
„Was denn Anni? Ich habe nichts gehört.“ Auch sie lauscht und mit einem Mal kribbelt es in ihrer Nase und sie niest heftig. „Hatschi!“
„Gesundheit!“, ruft die Stimme. Jetzt hat Oma sie auch gehört.
Sie lächelt. „Danke, kleine Blumenfee!“, sagt sie. „Das ist sehr freundlich von dir. Verrätst du uns nun auch noch, wo du dich verborgen hältst?“
„Gerade eben hier, später dort, immerfort zum andern Ort werd ich gehn und kein Mensch kann mich sehn“, tönt es von irgendwo weiter weg nun.
Oma Anna und Anni schauen sich an und lächeln.
„So ein schönes Erlebnis, hoffentlich kommt sie immer wieder in unseren Garten. Vielleicht haben wir Glück und können doch mal einen Blick auf sie erhaschen“, flüstert Anni ganz ergriffen.
Doch Oma schüttelt den Kopf.
„Es ist nicht so wichtig, sie zu sehen. Wichtig ist zu wissen, dass es Blumenelfen gibt, nicht wahr?“
Anni nickt. Mehr weiß sie in diesem Augenblick nicht zu sagen, aber sie würde von nun an sehr wachsam sein. Vielleicht würde sie die kleinen Feen doch mal sehen. Irgendwann …

© Regina Meier zu Verl

3 Kommentare zu „Marienblume, Pfingstrose, was ist denn nun richtig?

  1. Wusste gar nicht, dass die Pfingstrosen leicht giftig sind, ich glaube ich habe mir nie die Hände gewaschen, oje. Danke ich bemühe mich viel Wasser zu trinken. Bei der Hitze fällt es auch leichter als im Winter. (zwinkern) LGLore

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