Der Rockabilly-Traum

Der Rockabilly-Traum


Rockabilly war der Begriff für eine Spielart des Rock ’n‘ Roll. Blues mit Countrymusic vermischt, so könnte man die Musik beschreiben. Später wurde der entsprechende Kleidungsstil als Rockabilly-Style bezeichnet. Dieser war, wie die Musik auch, auffällig, rebellisch, immer ein wenig überdreht und angesagt.
Meine Musik war das nie, aber die Mode hat mir immer gefallen. Hier bei uns in Gütersloh gab es ein Geschäft, das sich auf genau diesen Style eingeschossen hatte. Ein toller Laden mit toller Mode und tollen Inhaberinnen, die lebten, was sie verkauften. Meine Tochter hat sich dort einmal ein Kleid gekauft, für eine Hochzeit. Sie sah großartig darin aus und irgendwie hatte ich immer den Wunsch, auch einmal so ein Kleid zu tragen. Es sprach aber immer etwas dagegen, z.B. gab es für mich keine Gelegenheit, so ein Kleid mit bauschigem Petticoat zu tragen, oder ich hatte nicht die richtige Figur dafür, oder oder…
Das nur als Vorgeschichte zu meinem Traum von heute Nacht und nun geht es los:
Jemand, ich weiß nicht genau, wer es war (mein Mann war es nicht), hatte mich ins Kino eingeladen. Es gab einen alten Film mit Elvis Presley. Ich freute mich auf den Kinobesuch und sah endlich einmal die Gelegenheit, mein tolles Rockabilly-Kleid zu tragen. Selbstverständlich ging ich an dem Tag auch zum Frisör und ließ meine Haare entsprechend stylen – hochtoupiert, eine Art Dutt auf dem Kopf und eine Schleife um das ganze Kunstwerk. Lidstrich und knallrote Lippen waren genauso selbstverständlich wie ein aufgemalter Leberfleck rechts über der Oberlippe.
Der Petticoat stand so weit vom Körper ab, dass ich im Auto hinten sitzen musste, weil der Fahrer, wer auch immer das war, sonst nichts hätte sehen können. Ich fands lustig und kicherte die ganze Zeit vor mich hin.
Im Kino gingen dann die Schwierigkeiten aber erst richtig los. Die Stühle hatten Armlehnen und ich passte mit all dem Bausch nur schwer dazwischen. Man muss dazu sagen, dass ich auch in meinem Traum keine Modellfigur hatte. Schließlich hatten wir, mein Begleiter und ich, die Röcke aber so eng an den Körper gehalten, dass ich mich niederlassen konnte. Jetzt konnte ich allerdings die Leinwand gar nicht sehen, weil der Rock vor meinen Augen war. Es ging aber, wenn ich ihn mit den Händen nach unten drückte. Leider hatte ich so keine Hand für Cola und Popcorn frei, aber: wer schön sein will muss leiden, nicht wahr?
Schlimmer war, dass der Kinobesucher hinter mir keine Chance hatte, etwas zu sehen. Weder nach vorn blickend, noch rechts oder links an mir vorbei. Der ärgerte sich lautstark und forderte, dass ich mich in die letzte Reihe begeben sollte. Ich glaube, er war aber nicht so freundlich, wie sich das hier anhören mag. Ich konnte nichts erwidern, da ich in diesem Moment aufwachte …

© Regina Meier zu Verl

2 Kommentare zu „Der Rockabilly-Traum

  1. Ja, ja die Träume! Was wären wir ohne sie.
    Die Rockabilly-Zeit kenne ich (1945), auch die jungen Damen im Pettycoat.
    So etwas zu leben war in meiner Familie undenkbar.
    Bei uns galt Chick ist angesagt. Anzug, Krawatte und Einstecktuch! Das Haar streng gescheitelt.
    Musik: Rene Carol, Lys Assia und Co.
    Lang, lang, ist es her.
    Schön, wenn man so etwas erleben darf, oder träumen kann.
    Christoph

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s