Mika rappt ein Weihnachtslied

Mika rappt ein Weihnachtslied

Es war Dezember. Draußen war es dunkel und kalt, aber in den Zimmern war es mollig warm und gemütlich. Überall im Wohnzimmer leuchteten Kerzen. Mama stand auf und ging ans Klavier, sie klappte den Deckel auf, stellte ein Notenbuch auf die Ablage und sagte:
„Spielt jemand mit?“ Erwartungsvoll sah sie uns an. Papa und Mika rührten sich nicht. Ja, sie taten so, als hätten sie nichts gehört. Das machten sie immer so und ich, Ela, war dann wieder diejenige, die Mama nicht enttäuschen wollte. Also stand ich brav auf, holte die Querflöte aus meinem Zimmer und stellte mich hinter Mama ans Klavier.
Wir spielten »Alle Jahre wieder« zum Aufwärmen, das konnten wir schon lange, hatten es sogar im letzten Jahr beim Weihnachtskonzert in der Kirche vorgetragen. Papa summte ein wenig mit, nur Mika daddelte auf seinem Handy herum.
„Was jetzt?“, frage Mama, als wir alle drei Strophen gespielt hatten.
„Stern über Bethlehem!“, schlug ich vor. Das war noch ein Lied aus dem Weihnachtskonzert.
„Jetzt mal ganz was anderes“, meinte Papa und stand auf, nahm seine Gitarre, stimmte sie kurz durch und schlug ein paar Akkorde an.
„Wir sollten mal selbst was erfinden, die alten Weihnachtslieder sind schön, aber es dürfte auch mal was schönes Neues geben, findet ihr nicht auch?“
Mika legte sein Handy zur Seite. „Dann brauchen wir aber einen Text, ich könnte was rappen!“, schlug er vor.
„Ja, los, mach mal!“, ich war begeistert, fand es ziemlich cool, wenn mein Bruder rappte.
Papa bestimmte die Tonart, schlug einen Akkord an und dann
warteten wir gespannt, was Mika einfallen würde. Der hatte sich eine Cellophantüte genommen, in der vorhin noch Plätzchen gewesen waren. Er fasste sie an beiden Enden und ließ sie, wie eine Ziehharmonika, immer wieder von innen nach außen schnellen. Dabei entstand ein interessantes raschelndes Geräusch, das nun den Takt vorgab, dann legte er los:
Der Lebkuchenkerl war ein Genuss,
besonders gut war sein Zuckerguss,
rosa und mit Silberliebesperlen
schmeckt er nicht nur Chikas,
sondern auch uns Kerlen!
Mama kicherte.
„Mach direkt noch einmal, das war gut!“, sagte sie. Papa gab noch einmal den Akkord vor und schlug ihn rhythmisch weiter, Mika begann zu rappen und Mama legte eine leise Melodie über das Ganze. Das klang mega!
„Jetzt du, Ela!“, meinte Papa, aber das war gar nicht so einfach. Schließlich hatte ich keine Noten und einfach so etwas zu spielen, das fand ich noch zu schwer. Aber Mama hatte die Lösung, sie schrieb mir ein paar Töne auf einen Zettel und dann probierten wir alle zusammen.
Ich sag’s euch, das klang echt cool und noch cooler war, das Mika noch eine zweite Strophe einfiel:
Der Lebkuchenkerl ist nun längst verdaut,
zu gern hätte ich ihn nochmal angeschaut.
Das Lied hier ist für dich,
du süßer rosa Kerl,
sag mal, denkst du auch an mich?

Ich weiß nicht, wie oft wir das Lied an diesem Abend noch gespielt haben, es wurde von Mal zu Mal besser und wir hatten wirklich einen Mega-Spaß. Zu Weihnachten in der Kirche werden wir es aber wohl eher nicht vortragen, oder was meint ihr?
© Regina Meier zu Verl

Photo by Pixabay on Pexels.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s