Kalle und die Elfen

Kalle und die Elfen
unter dem Text auch zum Anhören

In Kalles Zimmer ist ein Dachfenster. Papa hat dort eine Fensterbank eingebaut. Die hat Kalle mit Moos ausgelegt.
Auf einer Seite steht im Moos eine kleine Baumwurzel, in die ein Efeu gepflanzt ist. Kalle besprüht die Kletterpflanze jeden Tag und er freut sich über jedes neue Blättchen, das sich entwickelt.
„Entwickelt…“ denkt Kalle, „ist genau das richtige Wort dafür.“ Denn das Blättchen ist ja zuerst ganz ineinander geknüllt und wickelt sich dann langsam aus.
„Klasse!“ Kalle freut sich, dass er wieder ein neues Lieblingswort entdeckt hat. Er liebt es, wenn er solche Geistesblitze hat. Und Kalle liebt Elfen. Das sagt er zwar keinem, denn ein Junge, der Elfen sammelt käme bei den Klassenkameraden gar nicht so gut an. Das glaubt Kalle jedenfalls. Es ist sein Geheimnis. Drei niedliche kleine Blumenelfen hat er schon und es sollen immer noch mehr werden. Dafür spart der Kalle sein Taschengeld.
Die Mohnelfe mit ihrem leuchtenroten Kleidchen, sitzt auf der Baumwurzel, eine andere liegt bäuchlings im Moos und sein Liebling, die Kornblumenelfe springt vergnügt wie ein Kind herum. Natürlich springt sie nicht, es sieht nur so aus.
In Kalles Moosgärtchen gibt es auch Blumen. Manchmal pflückt Kalle sie im Garten hinterm Haus, da findet man vom Frühjahr bis in den späten Herbst immer etwas Blühendes. Im Winter geht er zu Frau Schiefer. Die hat ein Blumengeschäft und schenkt ihm ab und zu eine abgeknickte Blüte oder eine weit aufgeblühte Rose, die sie nicht mehr verkaufen kann.
Heute hat Kalle die ersten Krokusse entdeckt und schnell eines davon stibitzt. Er stellt die zartgelbe Blume in ein kleines Wassergläschen und stellt sie zu den Elfen ins Fenster.
„Schaut her, ich habe euch ein Krokus gebracht, bald kommt der Frühling und ihr sollt euch daran freuen.“
In der Nacht träumt Kalle von einem Reh, das in sein Fensterbankgärtchen kommt und mit den Elfenmädchen spielt. Die drei tanzen um das Rehlein herum und singen dabei eine Melodie, die Kalle bekannt vorkommt. Die Worte hat er aber noch nie gehört.
Elfen spielen in der Nacht
Wenn der Sandmann Schlaf gebracht.
Schenken Kindern schöne Träume,
fliegen leise durch die Räume.
Als Kalle am Morgen aufwacht, geht er zuerst an seinen Schreibtisch und schreibt das Verslein auf. Dann schaut er nach den Elfenkindern und bekommt einen tüchtigen Schrecken.
Die Klatschmohnelfe liegt auf dem Bauch, daneben die Kornblumenelfe und die Narzissenelfe. Alle drei haben die Augen geschlossen und schlafen. Das Glas mit dem Krokus ist umgefallen, das Wasser tropft von der Fensterbank.
„Mama, komm schnell!“, ruft Kalle und rennt in den Flur.
„Mama, meine Elfen…“, Kalle ist furchtbar aufgeregt und Mama kommt auch ganz schnell angelaufen.
„Was ist denn nur los, Kalle?“
Kalle ist ganz außer Atem und stammelt: „Die Elfen leben!“
Als Mama und Kalle ins Zimmer kommen, ist auf der Fensterbank wieder alles beim Alten.
Jede Elfe sitzt oder steht an ihrem Platz, selbst das Blümchen steht wieder im Glas. Doch von der Fensterbank tropft noch immer das Wasser.
Komisch.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle pixel2013/pixabay
Kalle und die Elfen – zum Anhören

5 Kommentare zu „Kalle und die Elfen

    1. Liebe Lore,

      ich habe es auch nur ein einziges Mal gesehen, weil ich meist schlafe, denn ich muss ja morgens in der Schule gut ausgeruht sein. Aber seit ich es gesehen habe, schätze ich die Elfen noch viel mehr und ich schäme mich auch gar nicht mehr, dass ich als Junge so elfenverliebt bin. Sollen sie doch alle denken was sie wollen.

      Viele liebe Grüße
      dein Kalle

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  1. Nein, ich habe noch keine Elfen wahrgenommen. Jedoch ich wünsche es mir sehr.
    Elfen sind ganz sicher angenehmere Begegnungen als nächtliche Halluzinationen
    aufgrund von Parkinson. Die nerven sehr.
    Christoph

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