Bewerbungsgespräch beim Osterhasen


Hühner auf dem Sofa © Judith Meier zu Verl

Bewerbungsgespräch beim Osterhasen

Drei Hühner sitzen auf einem Sofa. Sie warten. Keines von ihnen sagt ein Wort, ein wenig nervös zucken sie mit den Köpfen nach links, nach rechts, so wie Hühner das tun.
„Wo kommt ihr denn her?“, fragt das weiße Huhn auf der linken Seite. Es beugt sich ein wenig vor, um die beiden Nachbarn besser betrachten zu können.
„Ich wohne hier gleich um die Ecke, auf Müllers Hof“, antwortet das weiße Huhn auf der rechten Sofaseite. Das mittlere Huhn sagt nichts. Es blickt stur geradeaus.
„Aha, von Müllers Hof also. Den kenne ich, ihr sollt dort einen tollen Hahn haben!“
Das rechte Huhn kichert.
„Na ja, er ist hübsch, aber er ist auch ein richtig eingebildeter Gockel!“
Das Huhn in der Mitte schweigt noch immer. Es ist braun und viel schlanker als die beiden Sofanachbarinnen.
„Ich heiße übrigens Emma“, teilt das erste Huhn nun mit.
„Angenehm, ich heiße Frieda!“
„Und du?“, fragt Emma und streicht dem mittleren Huhn freundschaftlich über die Schulter.
„Lass mich in Ruhe, ich bin nervös und möchte nicht plaudern. Schließlich geht es hier um einen Job und ich muss mich auf das Gespräch mit dem Osterhasen vorbereiten“, gackert das braune Huhn arrogant.
„Dann eben nicht!“ Emma ist beleidigt und schweigt. Auch für sie geht es um einen Job. Schließlich hat sie eine Schar von Kindern zu ernähren.
Frieda hüstelt, um auf sich aufmerksam zu machen.
„Meint ihr, dass er nur eine von uns einstellt? Er braucht doch jetzt jede Menge Eier, es ist bald Ostern.“ Frieda hat ebenfalls viele Küken zu versorgen. Sie möchte unbedingt Lieferantin des Osterhasen werden, auch wenn sie ihre Eier am liebsten selbst behalten würde. Aber das geht eben nicht.
Der Osterhase betritt das Zimmer.
„Meine Damen, ich bedanke mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. Wie Sie wissen, steht das Osterfest vor der Tür und ich brauche Eier, Eier und nochmals Eier. Wann können Sie mit der Arbeit beginnen?“
Die Hühner gackern aufgeregt durcheinander: „Sofort! Ich bin bereit! Ich kann täglich ein Ei liefern! Meine Eier sind schmackhaft! Manchmal schaffe ich zwei!“
Selbst das braune Huhn stimmt in das aufgeregte Gegacker mit ein: „Ich lege schneeweiße Eier und keinen braunen, wie die meisten denken.“
„Das ist interessant!“, bemerkt der Osterhase. „Ich dachte immer, dass braune Hühner auch braune Eier legen!“
„Das denken viele, es ist aber nicht so. Sie können an unseren Ohrscheiben erkennen, wie die Farbe unserer Eier ist und meine sind eben auch weiß!“, erklärt das Huhn. Dann wendet es sich an seine beiden Mitbewerberinnen.
„Ihr habt das doch auch gedacht, oder?“
„Nee!“, sagt Frieda und Emma stimmt zu. „Ich auch nicht, bin doch kein dummes Huhn!“
Jetzt lachen alle und das braune Huhn lacht am lautesten. Es ist gar nicht so eingebildet, es hatte wohl nur Angst, dass der Osterhase es aufgrund seiner braunen Federn nicht einstellen würde.
„Ich heiße Minna!“, sagt es und lächelt. „Wir werden sicher gut zusammen arbeiten!“
„Gut, meine Damen, dann zeige ich Ihnen jetzt mal Ihr Zimmer, denn die nächsten drei Wochen werden Sie für mich arbeiten. Ich werde Sie gut versorgen, es soll Ihnen an nichts fehlen!“
„Danke!“, rufen die drei und schütteln sich die Hände, ähm Flügel natürlich.

© Regina Meier zu Verl

14 Kommentare zu „Bewerbungsgespräch beim Osterhasen

  1. Schöne Geschichte! Dass das Huhn in der Mitte ernst guckt ist mir auch aufgefallen, jetzt ist alles klar. 😀 Und ‚was gelernt habe ich auch noch. „Ohrscheiben“ war mir neu, ich war also ein dummes Hühnchen. Aber jetzt nicht mehr! 😉 Viele Grüße, Calinchen

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  2. Wenn die Familie zusammen arbeitet entsteht eine wunderschöne Osterhasengeschichte mit herrlichen Bild. Schöne Idee mit dem Vorstellungsgespräch und die drei Hühner genau so gemalt wie ich sie mir vorgestellt habe. Links die freundlich Schwatzhafte, Rechts die Lustige, in der Mitte die Ernste. Bin ich froh, dass der Osterhase sie alle Drei genommen hat, so können sie doch ihre Küken für die nächste Zeit versorgen.

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  3. Es waren einst drei Hühnerdamen, zwei weiße, eine braune.
    Sie bewarben sich beim Osterhasen, zu liefern ihre Eiergaben!
    Sie waren alle drei nervös, doch sie brauchten sich nicht sorgen.
    Der Osterhase war seriös, er nahm sie alle Drei
    zu liefern Ei an Ei an Ei!
    Christoph Beran

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  4. zauberhaft erzählt und deiner Tochter ein riesengroßes Kompliment für dies ganz entzückend gemalte Bild, mir ist prompt ein Lächeln vom Mund gehüpft…und ich grinse immer noch…
    aus deinen Ostergeschichten solltest du ein Buch zusammenstellen, locker leicht und fröhliche Ostergeschichten die wunderbar unter hoffentlich grünes Gras packen kann…
    bin begeistert…
    herzlichst in ERwartung weiterer Geschichten, davon kann man nie genug kriegen!….
    angelface

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Angel,
      vielen lieben Dank, das Kompliment fürs Bild gebe ich gern an Judith weiter – und Geschichten werde ich immer schreiben (du doch auch, nicht wahr?), solange ich das kann!
      Ganz herzliche Grüße zu dir und ein frohes Osterfest
      Regina

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