Die Sache mit Opas Brille

Die Sache mit Opas Brille

Opa Fritz sucht seine Lesebrille. Immer sucht er seine Lesebrille. Wenn er sie gefunden hat, liest er ein wenig. Dann steht er auf, weil er vielleicht etwas trinken möchte, oder zur Toilette muss und wenn er zurückkommt, dann sucht er sie wieder, die Lesebrille.
„Opa, sie muss doch da bei deiner Zeitung liegen. Dort hast du vorhin gesessen und gelesen!“, sage ich und male weiter an meinem Bild.
„Ach richtig, mein Kind, wie konnte ich das nur vergessen?“
Ich grinse. „Schade, dass sie keinen Laut geben kann.“
„Sei nicht so frech!“ Ich weiß, dass Opa es nicht böse meint, denn ich sehe das verschmitzte Funkeln in seinen Augen.
„Bin ich ja gar nicht, aber du bist vergesslich, lieber Opa, besonders dann, wenn es um deine Brille geht!“, sage ich und packe meine Stifte ein. Mein Bild ist fertig.
„Schau Opa!“, sage ich. „Das Bild habe ich für dich gemalt. Opa setzt seine Brille auf, das geht diesmal ganz schnell, weil er sie ja in der Hand hat.
„Hm, das bin wohl ich,“ brummt Opa. Ich grinse schon wieder.
„Ja, und ohne Brille, weil du sie mal wieder nicht gefunden hast.“
Später als ich mit Karlchen Gassi gehe überlege ich, wie man das Brillenproblem wohl lösen könnte. Oma trug ihre Brille an einer Kette um den Hals, aber Opa? Ich muss lachen, das kann ich mir nicht vorstellen. Andererseits wäre das aber eine großartige Hilfe, man müsste nur versuchen, es Opa schmackhaft zu machen. Dafür brauchte ich allerdings eine Verbündete, Oma!
Leider hat Oma spontan keine Idee. Mama, die dazu kommt, macht auch verschiedene Vorschläge, einer davon ist, in jedem Zimmer eine Brille zu deponieren. Doch Oma schüttelt den Kopf.
„Es müsste ein besonderes Band sein, an dem die Brille befestigt wird. Eines, was Opa
Fritz wichtig ist und was er richtig gern leiden mag und ich habe da auch eine Idee.“ Oma lächelt verschmitzt und ich bin jetzt gespannt wie ein Flitzebogen.
„Dann schieß mal los, Oma!“ bettele ich.
„Okay. Theresa, du hast doch im letzten Winter so tolle Freundschaftsbänder für deine Freundinnen geknüpft. Die haben mir besonders gut gefallen. Könntest du so ein Band auch in lang herstellen?“, wollte Oma nun wissen. Ich nickte. Klar, konnte ich das. Es war eine Menge Arbeit, weil man ja nur winzig kleine Knoten knüpft, aber wenn es für Opa werden würde, dann war es das wert.
„Ich könnte gleich loslegen!“, schlage ich vor.
„Immer langsam mit den jungen Pferden!“ Oma lacht. „Es müssen bestimmte Farben sein, sonst trägt er es nicht!“
Jetzt ahne ich, was Oma meint. Es geht um Opas Fußballverein „Borussia Dortmund“ und um deren Vereinsfarben.
„Lass mich raten: schwarz und gelb?“, frage ich Oma.
„Klar!“, sagt sie und holt die Kiste mit den Wollvorräten.
„Während du knüpfst, stricke ich ihm ein Paar schwarzgelbe Socken, die wünscht er sich schon lange!“, sagt Oma und dann geht’s los. Es macht richtig Spaß und die Vorfreude auf Opas Gesicht, wenn wir ihn mit unseren Handarbeiten beschenken werden, die ist noch schöner!

© Regina Meier zu Verl

Photo by Wallace Chuck on Pexels.com

3 Kommentare zu “Die Sache mit Opas Brille

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