Gruselsuppe

Gruselsuppe

„Meine Oma hat Kürbisstückchen eingemacht. Sie schmeckten süß-sauer und immer wenn es Bratkartoffeln gab, dann holte sie ein Glas davon aus dem Keller“, sagte Mama, als sie den dicken Kürbis aushöhlte, der als Laterne vor der Haustür einen Platz bekommen sollte.
„Igitt, das klingt eklig!“ Jule schüttelte sich und schickte noch ein lautes: „Bäh“ hinterher.
„Als Kind mochte ich das auch nicht“, gab Mama zu. „Kürbissuppe ist mir lieber.“
Jule nickte. Ja, Mama konnte wunderbar Kürbissuppe kochen, das war ein Genuss.
„Darf ich das Gesicht schnitzen?“, fragte sie.
„Klar! Aber du musst vorsichtig sein mit dem scharfen Messer, das kann leicht abrutschen.“
Jule konnte schon mit einem Messer umgehen, das hatte Opa ihr beim Schnitzen gezeigt.
„Ich bin ja kein Baby!“, sagte sie und sah ihre Mutter vorwurfsvoll an. Dabei stemmte sie die Hände in die Hüften.
„Weiß ich doch!“, antwortete Mama versöhnlich.
„Was meinst du, Große. Willst du diesmal die Suppe kochen?“
Das wollte Jule. Aber wie, sie hatte keine Ahnung.
„Hilfst du mir?“, fragte sie deshalb.
Mama lachte und holte ihr Ringbuch aus dem Regal, in dem sie die schönsten Rezepte gesammelt hatte. Die meisten Anleitungen hatte Oma in ihrer feinsäuberlichen Schrift aufgeschrieben und die hatte sie wiederum von ihrer Mutter, also Jules Urgroßmutter, übernommen.
„Zuerst müssen wir das Kürbisfleisch in Stücke schneiden, danach kommen noch Würfel von drei großen Kartoffeln dazu und eine Zwiebel. Ich setze schon den großen Topf auf und lasse etwas Butter darin schmelzen. Dann kommt das Gemüse dazu und muss eine Weile dünsten.“
Nachdem Jule alles in den Topf befördert hatte, rührte sie zwischendurch immer wieder um und schon nach einer halben Stunde konnte sie die Gemüsebrühe dazugießen.
Anschließend ging es ans Abschmecken, Salz, Pfeffer, etwas Currypulver und ein halber Teelöffel Zucker kamen zu der Suppe, in die Mama vorher noch ein wenig frischen Ingwer gegeben hatte, fein gehackt.
„Mmh, das schmeckt lecker“, schwärmte Jule und nahm schnell noch eine Kostprobe.
„Richtig fertig ist die Suppe erst, wenn wir sie püriert haben und zum Schluss kommt noch ein kleiner Becher Sahne dazu“, erklärte Mama und drückte Jule den Pürierstab in die Hand.
„Dann leg mal los, aber pass auf, es könnte spritzen!“
Es klappte wunderbar, ein paar Spritzer waren ja nicht so schlimm. Es war ja Jules erste selbst gekochte Kürbissuppe.
Während sie auf Papa warteten, schnitzte Jule das Kürbisgesicht.
„Weißt du was?“, sagte sie.
„Nein, was denn?“
„Wir taufen die Suppe einfach um, sie heißt jetzt Gruselsuppe, weil sie doch aus dem Gruselkürbiskopf gemacht wurde!“
Den Vorschlag fand Mama gut und sie schlug vor, dass Jule ihr Gruselsuppenrezept doch auch aufschreiben sollte, in Schönschrift, so wie Oma.
Jule war begeistert, sie malte Kürbisse und Halloween-Fratzen rund um das Rezept. Papa machte am Abend ein paar Kopien davon, die Jule am nächsten Tag mit in die Schule nahm und ihren Freundinnen schenkte.

© Regina Meier zu Verl

8 Kommentare zu „Gruselsuppe

    1. Danke schön, Mausi,
      das Rezept ist ausprobiert und schmeckt uins sehr gut. Kürbissuppe gibt es ja in vielen Variationen und sie ist in den letzten Jahren auch wieder auf den Speisekarten der Restaurants zu finden.
      Liebe Grüße
      Regina

      Gefällt mir

  1. ja, es stimmt, es ist voll von Geschichten, dieses Leben und nicht alle sind sie schön, die wir erleben. Oft ist es nicht so einfach im Leben mit dem Leben. Nach irrwitzigen Glücksgefühlen steht dann auch gleich wieder Leid auf der Matte, damit es uns nicht ZU wohl wird, das wäre ja auich nicht auszuhalten… hach, ich könnte wohl – aushalten! und auf Leid verzichten. Dieses Leben scheint da nicht so ganz meiner Meinung zu sein und ich ertrage, so gut es geht, liebe Regina.
    Deine Geschichte von der gruseligen Kürbissuppe ist wunderschön und ich denke, wenn ich Zeit habe und weiterlese, dann werde ich noch ganz viele und genau so schöne Geschichten hier finden.
    Einen lieben Wochenendgruß sendet Dir Bruni

    Gefällt mir

  2. diese kleinen Geschichten sind so schön und lesen sich so flüssig und gut weil sie so eine Lebendigkeit haben, bei deinem Erzählstil – liebe Regina purzeln dir die Sätze nur so aus dem Mund das ist, als stünde man dabei und würde sie hören, das macht sie in meinen Augen aus, man ist mit dabei…und das ist so glaubwürdig und lebendig…
    liebe Grüße aus dem Vogelsberg
    angelface

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s